Mittwoch, 22. September 2010

Review: Valhalla Rising (2009)



Ein Film, der mich schlicht überwältigt hat. Vor ein paar Monaten, als der erste Trailer die Runde machte und es auch eine Reihe an News gab, stellte ich mich auf einen brutalen Actionfilm im Wikingerzeitalter ein. Kurz bevor ich den Film sichtete, las ich mir einige Kritiken durch und war bereits etwas verblüfft, als Parallelen mit Werner Herzog's "Aguirre, der Zorn Gottes" oder den Werken von Terrence Malick ("Badlands") oder sogar Andrei Tarkovsky ("Stalker") gezogen wurden. Alles klar, meine Erwartungen änderten sich schlagartig, wobei mein Interesse indes noch weiter anstieg.  

Plot:
One-Eye, gerade aus der Gefangenschaft einiger Wikinger entflohen, schließt sich, zusammen mit einem kleinen Jungen, einigen Christen an, die auf dem Weg in das gelobte Land sind, um es zurückzuerobern und das Wort Gottes zu predigen. Mit einem mindergroßen Boot geht's los, auf dem nebeligen Gewässer gen Jerusalem, doch die Reise führt sie viel mehr in die sprichwörtliche Hölle.



Der Film ist ein Arthouse-Werk in Reinkultur. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen der nebeligen Gebirge Schottlands, eine extrem beklemmende Atmosphäre, die von dem grandiosen Score (Peter Peter & Peter Kyed) dermaßen stark unterstützt wird, sodass man auch mal aus der Haut fährt, wenn der von Mads Mikkelsen gespielte "One-Eye" eine seiner Visionen hat, die auch visuell einen klasse Eindruck schaffen. 
Der im Film genannte "One-Eye" ist ein karger, geheimnisvoller, brutaler und hemmungsloser Krieger. Zudem ist er ein Mann weniger Worte, so spricht er doch im gesamten Film nicht ein Wort. Mads Mikkelsen verkörpert seine Figur jedoch so gut, dass allein die physische Präsenz schon ausreichend ist. Mikkelsen entzieht seinem "One-Eye" jegliche Emotionen und es wird einem vollends verwehrt sich irgendwie in die Rolle hineinversetzen zu können, was in diesem Fall gut und passend zur Stimmung ist. 
Es gibt im Allgemeinen nicht gerade viel Dialog, was einige eventuell abschrecken mag. Lässt man sich jedoch von der Gänsehaut-erregenden Atmosphäre mitreißen, werden die Dialoge zur Nebensache. 

Sicher, es gibt auch etwas Action, die sich in einigen Kampfszenen äußert, welche dann auch nicht gerade unblutig sind, um es mal harmlos auszudrücken. Darauf liegt hier jedoch nicht der Fokus. Im Mittelpunkt allein steht das stetige Verzweifeln der Wallfahrer, die quasi eine Kirche im Herzen der Hölle zu errichten versuchen. One-Eye hingegen scheint sein Ziel längst erreicht zu haben... 

Ich will nun nicht allzu viel spoilern, daher gehe ich nicht weiter auf den fortlaufenden Inhalt ein. Man kann aber sagen, dass einem viel Raum für eigene interessante Interpretationen gelassen wird. Es ist einer dieser Filme, bei denen der Regisseur dem Publikum bewusst diesen Raum lässt und vielerlei Interpretationen für den jeweiligen Zuschauer richtig sein können - ein wahres "falsch" gibt es hier nicht wirklich, solange es für einen selbst funktioniert. 
Weiterhin kann man sich auch bereits nach der Sichtung noch zu Genüge mit diesem Film beschäftigen. Es gibt viele wirklich sehr interessante Parallelen zu nordischen Gottheiten (hauptsächlich zum Gott "Odin"!), Mythen etc. Wenn man diese auf den Film bezieht, ist es möglich den Film wiederum in einem anderen Licht zu sehen. 
Ich für meinen Teil liebe Filme, mit denen man sich noch endlos weiter auseinandersetzen kann oder einfach fremde Interpretationen zu lesen, da es einfach ungemein interessant ist, wie andere Leute dies und das sehen bzw. deuten. 

Mit der famosen Bildsprache, der dichten Atmosphäre und des vortrefflichen Scores wird man nahezu hypnotisiert und man möchte gar nicht wegschauen, aus Angst auch nur das kleinste Detail zu verpassen, so bleibt man die 89 Minuten wie gebannt sitzen, bis das Bild sich verdunkelt und die Credits über den Schirm flimmern und der Film den Zuschauer verloren zurücklässt. 

Nicolas Winding Refn hat mit "Valhalla Rising" meiner Ansicht nach ein wahres Meisterwerk abgeliefert. Zwar nicht jedermanns Geschmack, aber für diejenigen, die der Film begeistern konnte freut es mich umso mehr. Wer also keinen "300"-Verschnitt erwartet, wie es das UK-Cover vermuten laesst, und auf etwas Langsames, Meditatives und äußerst Experimentelles aus ist, der wird mit Refn's Film seinen Spaß haben, wenn man es denn "Spaß" nennen kann... 10/10.


Kommentare:

leon der profi hat gesagt…

Ich teile die Meinung des Films vollkommen und finde es schade, dass er falsch vermarktet wurde. Die meisten Zuseher erwarteten einen Film wie 300 oder Massenschlachten und keinen melancholischen, kalten Film, welcher zum interpretieren einlädt. Alleine die Parallelen zu Odin sind bereits auffällig (Fehlendes Auge, Visionen, Vermehrung der Einherjer duch tote Krieger)

Hier meine Rezension zu diesem leider sehr unterbewerteten Film.

http://leon-filmrezensionen.blogspot.com/search?q=valhalla+rising

Book of Ra online spielen hat gesagt…

Gigantischer Trailer....Find deine Ausführungen ziemlich spannend und mit Hintergründen gespickt...thumps up :)

El Tofu hat gesagt…

Oh, ich habe auch gedacht das es nur ein stumpfer Actionstreifen ist, dann muss ich den wohl doch noch sehen.

samploo hat gesagt…

Am besten alleine oder maximal zu zweit, damit auch gar nicht dazwischen geredet wird - kann ich nur empfehlen! ;]