Montag, 15. September 2008

Review: Adams Äpfel (2005)

Regie: Anders Thomas Jensen | Cast: Ulrich Thomsen, Mads Mikkelsen, Nicolas Bro u.a.
IMDb-Link

Hier also mal wieder ein mehr oder weniger ausfuehrliches Review zur daenischen, schwarzen Komoedie Adams Äpfel. Ich waere ohne meinen ehemaligen Physik-Lehrer wohl nicht auf den Film gekommen. Aufgrund von Demotivierung wollte er nicht unterrichten, hatte jedoch zwei DVDs dabei - Adams Äpfel und Das Leben des Brian. Da ihm unsere Meinung wurst war, wurde geschaut, leider nicht ganz bis zum Ende, was mich echt wurmte. Hat sich aber gelohnt, soweit ich das behaupten konnte.
Vor ein paar Tagen lief der Film dann mal auf arte
. Hab mir den Streifen dann mal komplett in aller Ruhe ansehen koennen.

Es geht um den überzeugten Gutmenschen Ivan, ein Landpfarrer in der dänischen Provinz, dessen Barmherzigkeit vor nichts und niemandem Halt macht. Ivan resozialisiert in seiner Oase der Nächstenliebe überführte Straftäter. Als es den überzeugten Alt-Neonazi Adam, einen 40-jährigen Erbärmling, in Ivans Kirche verschlägt, sind die Rollen klar verteilt – scheinbar. Doch in Anders Thomas Jensens Filmen kommt es häufig anders als man denkt. Schon sehr bald wird deutlich, dass Adam, der eigentlich unter der wohligen Behaglichkeit seiner Hitlerbildchen die Resozialisierungsmassnahme aussitzen will, der ignoranten Gutmütigkeit des Pastors nicht gewachsen ist.

Trailer:


Im ersten Viertel des Films fragte ich mich eigentlich nur was ich von dem FIlm halten soll. Ein Pfarrer und ein Neonazi in einem Auto, die "How Deep Is Your Love" von Take That hoeren. Seltsam? Ist es auch. Sehr sogar. Zunaechst dachte ich ja, dass es sich tatsaechlich um ein Drama handeln wuerde. Aber diese ungewohnt, komischen Situationen, die ich sonst noch nirgends gesehen hatte, wow. Beispiele koennt ihr ja im Trailer sehen.

Als reine schwarze Komoedie ist Adams Äpfel nun aber auch nicht zu sehen, sicherlich ist auch der dramaturgische Faktor des Films passend vorhanden. Eine froehlich, lockere Stimmung kommt bei Adams Äpfel jedoch nicht auf, was hier positiv zu sehen ist. So kommen die ueberaus stumpfen Witze und die Situationskomik noch ueberraschender und wirkt gleich doppelt. In Gewissen Szenen gibt es sogar Punkte, wo man wirklich nicht genau weiß ob man nun Lachen soll, da ernste Themen auf eine ernste Weise total ins Laecherliche gezogen werden, was positiv aufzunehmen ist (Beispiel: Szenen mit Ivan's Sohn und dessen Erlaeterungen dazu).

Das ganze wird von einem angenehm ruhigen Score untermahlt. Zwischendurch laeuft auch immer mal wieder "How Deep Is Your Love". Sehr amüsant.
Die deutsche Synchronisation kann sich durchaus sehen lassen, wirkt Sie doch bei allen Charakteren glaubhaft. Bis auf eine Ausnahme - die Nebenrolle des Arabers Khalid
wird zu gekünstelt und klischeehaft gesprochen, leider. Das faellt in einigen Szenen schon ziemlich auf, schade drum.
Die darstellerische Leistung hat mich echt umgehauen. Besonders Mads Mikkelsen, Darsteller des Pfarrers Ivan, hat mich ueberzeugt. Die Ignoranz, die der Charakter benoetigt wird bestens ruebergebracht und man kommt einige Male wirklich ins Staunen. Ich hoffe, Mikkelsen
wird international noch erfolgreicher, sodass wir Ihn oefter auch in unseren Kinos sehen koennen. Sein Koennen hat er ja bereits im letzten Bond-Film Casino Royale als Boesewicht beweisen koennen, wenn er dort auch etwas zu kurz kam.



Der Hauptdarsteller Ulrich Thomsen (spricht uebrigens fließend Deutsch) weiß ebenso zu ueberzeugen, was sich in seiner hin- und hergerissenen Rolle auch zeigen kann. Ihn kann man im kommenden, ersten groeßeren Film von Tom Tykwer, The International, sehen. Ist meines Wissens seine erste Rolle in einer großen Hollywood Produktion.
Der Rest des Casts ist auch in Ordnung, aber jetzt nicht so erwaehnenswert, dass man genauer darauf eingehen muesste.
Der Film bietet uns also eine tolle Geschichte, wobei Adam, unser Hauptcharakter, beim Brechen von Ivan's Glauben feststellen muss, dass er an sich selbst zweifeln muss und an dem was er tut. Adam ist also mit Sicherheit nicht nur ein tumber Neo-Nazi, sondern erweißt sich als aeußerst intellektuell. So weiß er gewiss was er tut und wie er es gegen andere ausspielen kann.

Das Ende des Films, oder besser das letzte Viertel wartet mit einigen Wendungen auf, mit denen man so nicht gerechnet haette. Dabei will der Regiesseu auf keinen Fall zu viel, es passt alles. Nur wirklich gegen Ende hin, war bereits absehbar wie der Film sich fortsetzt, was jedoch nicht sonderlich schlimm sein sollte.

Fazit:
Alles in allem ist Anders Thomas Jensen eine tolle, tiefschwarze und auch dramatische Komoedie gelungen, die ich persoenlich so noch nicht gesehen habe. Fuer mich ist das in jedem Fall Anlass, mich mehr dem daenischen bzw. skandinavischen Film zu widmen.
Aus diesem Bereich habe ich ansonsten nur In China Essen Sie Hunde
gesehen (ebenfalls eine pechschwarze Komoedie). 8,5/10.

Kommentare:

Pikku hat gesagt…

Schreib doch praktischerweise Downloadlinks drunter ]:-)=
Joke, sieht interessant aus, Arte ist immer gut für rationale, inhaltsvolle Nischenfilme!

moep0r hat gesagt…

Fein fein, laesst sich gut lesen. Ich wuenschte, meine Revirews waeren auch so ausfuehrlich ^^

AXEL B (das bin ich!) hat gesagt…

Jo
Also ich hab den film auch gesehen
auf den rat eines guten kumpels hin

zwar hatten wir dabei so 4 bier und 4 becher wiskey cola drin aber der film hat mich wirklich verzaubert

vor allem der teil wo er die mikrowelle aus der tanke mitgehen lässt und dadrin dann diesen mini apfelkuchen backt
und dann mit dem priester teilt

und der araber war auch super
"scheiß schuchtel glatzen"^^

moench hat gesagt…

Den Film fand Blume sogar super, dann kann er eigentlich gar nicht mehr schlecht sein!!!