Donnerstag, 15. Dezember 2011

Review: Rare Exports - Eine Weihnachtsgeschichte (2010)

Regie: Jalmari Helander | Cast: Onni Tommila, Jorma Tommila, Rauno Juvonen u.a.


Plot:
Tief in der finnischen Eiswüste schlummert das uralte Geheimnis vom wahrhaften Weihnachtsmann. Bis jetzt, denn der zwielichtige Riley (Per Christian Ellefsen) und seine amerikanische Firma führen im Berg hinter dem Dorf nicht bloß Probebohrungen durch. Als der kleine Pietari (Onni Tommila) und sein Vater Rauno (Jorma Tommila) kurz vor dem Fest eine ganze Herde toter Rentiere vorfinden und den Einheimischen so der gesamte Fleischbestand flöten geht, schwören sie Rache. Eines Nachts tappt ein nackter, bärtiger Wilder in ihre Falle. Dieser scheint jedoch nicht allein zu sein. Als nach und nach alle Kinder spurlos verschwinden, ahnen Pietari und die Dorfbewohner Böses …


Filmkritik:
[kann leichte Spoiler enthalten]

Nach "Saint" (Review hier) nun der naechste Weihnachtsfilm mit einem aehnlichen Grundthema - einem boesen Weihnachtsmann. Ob der Film schlechter, gleichwertig oder gar besser ist, wird man im Folgenden nachlesen koennen.
Im Jahr 2003 sorgte der Kurzfilm "Rare Exports Inc." fuer Aufsehen. Regisseur Jalmari Helander schuf mit dem acht Minuten langen Werk, einen Film, der sich schnell großer Beliebtheit erfreuen konnte. Zwei Jahre spaeter folgte Teil 2, "The Official Rare Exports Inc. Safety Instructions", wieder ein Kurzfilm. Nicht mehr ganz so gut wieder der Vorgaenger, aber trotzdem noch sehr, sehr unterhaltsam. Beide Filme kann man uebrigens mittlerweile auf youtube & co. gucken, siehe hier Teil 1 und hier Teil 2.
Wieder fuenf Jahre spaeter wurde es dann Zeit fuer den ersten abendfuellenden Spielfilm des Finnen. Eine Spielfilm-Version seines "Rare Exports". Als ich zum ersten Mal davon hoerte, war die Vorfreude groß, da mir die Kurzfilme jeweils sehr zusagten. Letztes Jahr im Dezember lief der Streifen in den Lichtspielhaeusern und vergangenen Monat war es dann auch mit der Heimkino-Auswertung soweit.


Zur Freude des geneigten Fans der Kurzfilme, stellt man fest, dass alle Darsteller aus den Kurzfilmen wieder mit von der Partie sind. Naja, fast alle, denn der Weihnachtsmann wird von jemand anderem, Peeter Jakobi, verkoerpert.
Wie bereits gesagt, war die Vorfreude groß, denn ich war ziemlich gespannt, wie ein Langfilm aussehen wuerde, da die drei Hauptprtoagonisten wirklich interessant waren. Leider musste ich beim Langfilm feststellen, dass man den kleinen Jungen, bereits bekannt aus dem zweiten Kurzfilm, zum Hauptdarsteller gemacht hatte. Man koennte nun fragen "Wieso leider?", aber das klaert sich bereits nach cirka 20 Minuten Laufzeit, denn die Rolle des jungen Pietari ist schlichtweg extrem nervig. Sowas gibt es eben von Zeit zu Zeit - hier ist es eben so ein Fall. Es handelt sich nicht um so einen Extremfall wie bei Jar Jar Binks, aber man guckt schon des oefteren mal skeptisch drein. 

Was die drei aelteren Herren angeht, die in den Kurzfilmen noch drei etwas duestere, argwoehnisch wirkende und irgendwie auch coole Typen mimten, so sind sie dies hier gewiss nicht, was aber wohl am Plot liegen mag, denn die Geschichte orientiert sich offenbar eher vor den Ereignissen der Kurzfilme. Die drei Akteure machen ihre Sache aber ganz ordentlich und sind sympathisch, spricht nichts dagegen, aber herausragend und erinnerungswuerdig ist auch was anderes.


Die Inszenierung stimmt auch. Die Weiten der Schneelandschaften werden schoen dargestellt, da stellt sich bei mir sowieso immer so eine besondere Winterstimmung ein. Atmosphaere kommt hier und da auch oefter auf, jedoch auch nur in Ansaetzen, denn das Ganze verpufft wieder zu schnell, wenn es gerade gut wird. Der Film versucht zu Teilen witzig zu sein, was aber nur extrem selten gelingt, wobei das Grundgeruest dafuer ja vorhanden ist. Mysterios oder dergleichen erscheint der vermeintliche Weihnachtsmann bzw. seine Helfer leider auch nicht wirklich, was mich zu einem weiteren Kritikpunkt kommen laesst. Man haette den Fokus mehr auf die Kinderfangenden Weihnachtsmaenner legen sollen bzw. ihnen mehr Spielraum geben koennen, statt alles aus der Sicht der Dorfbewohner zu erzaehlen. Man bekommt zwar durch die drei Hinterwaeldler und dem kleinen Jungen noch die ein oder anderen Gags in Bezug auf die Lage und wie sie denn damit umgehen  sollen serviert, aber man wuenscht sich, dass einfach mehr passiert.

Mir kamen die Kurzfilme einfach zu oft in den Sinn, was mich daran erinnerte, was aus dem Film haette werden koennen. Viel verschenktes Potenzial. Anders als Bei "Saint" wird hier nicht auf Splatter- bzw. Goreeffekte gesetzt, was gepasst haette, um dem Film ein besseres Tempo und einen hoeheren Unterhaltungswert zu geben. Hier ist man allgemein etwas zu zimperlich gewesen, sehr schade!



Natuerlich finden sich auch positive Aspekte an dem Film. Nach gut 40 Minuten gewinnt der Film richtig an Fahrt und faengt auch an, wenn auch in Schueben, richtig Spaß zu machen, wenngleich einige Szenen etwas boeser haetten sein koennen. Technisch punktet der Film durch die Optik und die im letzten Drittel netten Actioneinlagen und das Ende wuerdigt auch nochmal die Kurzfilme und wertet den Film glatt nochmal ein wenig auf. Fuer diejenigen, die die Kurzfilme gar nicht kennen und vorhaben sich den Film ohne vorheriges Sichten dieser anzusehen, koennte der Film durchaus eine ganze Ecke besser sein, da man somit nicht zu viele Gedanken daran verschwendet, was man in Anlehnung dieser auch haette erreichen koennen.


Fazit:
Alles in allem muss man sagen, dass es sich bei "Rare Exports" um eine Enttaeuschung handelt. Es gibt nette Ansaetze, aus denen man aber mehr haette rausholen koennen. Sozuagen ein Fest der verpassten Moeglichkeiten, was Fans der Kurzfilme besonders aufregen wird. Der Film braucht zu lange um in die Gaenge, zu kommen, trotz der mit ca. 75 Minuten bereits knappen Laufzeit.
Fuer zwischendurch kann man sich den Film allemal ansehen, zumal er natuerlich einen netten Kontrast zu den ueblichen Weihnachtsfilmen wie dem dreiundvierzigsten Teil von Santa Clause mit Tim Allen bietet.
Ohne das augenzwinkernde Ende waere ich somit auch nicht mehr ganz auf 6/10 gekommen, die wohl eher meinem Wohlwollen entspringen duerften.




Bilder:

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