Freitag, 11. November 2011

Review: Running Scared (2006)



Plot:
Joey (Paul Walker) und seine Komplizen geraten bei einer Drogenübergabe in einen Schusswechsel, bei dem unglücklicherweise auch einige Polizisten sterben. Nun soll Joey die Tatwaffe entsorgen.
Als er die Waffe im Keller seiner Familie versteckt, wird er vom Nachbarsjungen Oleg beobachtet. Dieser klaut den Revolver, schießt damit auf seinen brutalen Vater und ergreift die Flucht. Damit setzt er eine Kettenreaktion von tragischem Ausmaß in Bewegung.
Joey muss den Jungen und die Waffe finden, um seine eigene Haut zu retten. Gejagt von der russischen Mafia und den Cops wird diese Nacht zu einem Ritt durch die Hölle.


Filmkritik:

Im Kino ein ziemlicher Flop, der ordentlich Miese machte, um dann spaeter im Home Entertainment zum absoluten Geheimtipp zu avancieren und hier einen Haufen Geld zu machen - das war wohl der ungefaehre Ablauf bzgl. dieses feinen Filmchens. Mittlerweile gilt "Running Scared" aber vermutlich auch nicht mehr als Geheimtipp, sondern sollte auch der breiteren Masse einigermaßen bekannt sein, weil er sein Publikum gefunden hat und schlichtweg verdammt gut ist.

Wayne Kramer wusste offenbar genau was er hier vor hatte und es ist schoen zu sehen, dass er sich offenbar voll ausleben konnte, denn "Running Scared" ist ein durchgestylter, duester atmosphaerischer und brutaler Actionthriller, der es in sicht hat.
Bereits nach fuenf Minuten hat der Film den Zuschauer gepackt und in seinen Bann gezogen. Die Optik sticht von Anfang an heraus. Abgedroschene Farbfilter, schnelle Schnitte, die hier gluecklicherweise sehr positiv zur Geltung kommen, unterstreichen den tollen Stil des Films. Die gesamte Dauer des Films ueber wird der raue Ton beibehalten und konsequent durchgezogen. Eine Szene nach der anderen, eine Wendung nach der anderen ueberrolt den Zuschauer wie eine Dampfwalze und wird stets aufs neue ueberrascht.


Es ist anzunehmen, dass das Ganze zu viel des Guten sein koennte, da der Film nun wahrlich nicht mit Wendungen oder neuen Verstrickungen geizt - ist es aber nicht. Das Konzept geht bisweilen zu 90% auf. Ein Ausnahme stellt der kleine Nebenplot mit Oleg und einem paedophilen Ehepaar dar, der aber deswegen nicht minder spannend gestaltet ist, auch wenn er das Vorankommen der Hauptstory kurz bremst. So hat man den Hintergrundgedanken, dass dieser Nebenstrang nicht unbedingt haette sein muessen.

Schauspielerisch gesehen bewegt sich der Film auf gutem Niveau. Paul Walker sollte oefter in solchen kleineren, feinen Produktionen mitwirken und nicht nur mit dem neunzehnten Teil des "Fast & Furious"-Franchise und dem kommenden Finale dessen, das einfach mal in acht Filme aufgeteilt wird, weil die Story ja so viel zu bieten hat, von sich Reden machen.
Walker spielt auch nicht den typischen Handlanger fuer den großen Gangsterboss, sondern zeigt sich abseits dessen als Familienvater, der versucht alles auf die Reihe zu kriegen und eigentlich gar kein boeser Kerl ist. Das kann er gut verkoerpern und man nimmt ihm die Rolle ab.


Die zweite Hauptrolle neben Paul Walker wird von Cameron Bright in der Rolle des Jungen Oleg verkoerpert. Sein ausdrucksarmes Spiel laesst den Zuschauer stets im Dunklen darueber, was gerade in dem kleinen Jungen vorgeht. Gute Leistung eines Jungdarstellers, der momentan leider vermehrt in der Twilight Saga zu sehen ist. Wuerg.
Die ansehnliche Vera Farmiga (zuletzt gesehen in "Source Code"), im Film die Ehefrau von Protagonist Joey, ueberzeugt durch ihr zunaechst unschuldiges Spiel, bis auch sie erkennen muss, dass das Leben kein Ponyhof ist und man im Baumarkt nichts geschenkt bekommt. Ihr Charakter macht wohl die gravierendste Entwicklung durch. Zunaechst liebevolle, dann die sorgende Mutter und Ehefrau bis hin zur mitfuehlenden und letztendlich fassungslosen Richterin gebeutelt.

Was irgendwie typisch war, aber deswegen nicht schlecht, ist der Falt, dass Karel Roden als Nebenrolle wiedermal einen (boesen) Russen spielt. Spontan fallen mir da "Rock'n'Rolla", "Orphan - Das Weisenkind" (okay, hier ist er ein "Guter"..) oder "Die Bourne Verschwörung" ein, in denen er eben genau eine solche Figur verkoerperte. Ich hab ihn zumindest noch nicht wirklich in anderen Rollen gesehen, auch wenn er sicher schon einige andere Rollen gespielt hat. Bevor jetzt einer denkt, dass ich seine Rolle oder Darstellung in diesem Film kritisieren will: Dem ist nicht so. Er spielt diesen kaputten russischen Familienvater mit Obsession zu John Wayne, dem Duke, wirklich genial. Fuer mich war er sogar irgendwie einer der sympathischsten Charaktere im Film, besonders aufgrund seiner letzten Szene, womit er dem Duke selbst nochmal huldigen kann, obwohl er ja im Prinzip ein richtiger Drecksack ist - daran besteht kein Zweifel.


Es ist eine wahre Odyssee durch die Nacht, auf die sich Joey und Oleg begeben. Von Schnell-Restaurants und Stripclubs ueber Krankenhaeuser bis hin zu verlassenen Bauten, besetzt von Junkies, und einem Eishockey-Stadion wird alles geboten. Die Gewalt zieht sich dabei wie ein blutroter Faden durch den ganzen Film - also nichts fuer Zartbesaitete. Umso ueberraschender uebrigens, dass der Film von der FSK mit einer 16er-Freigabe bedacht wurde - mir soll's recht sein, die Politik versteht sowieso keiner mehr. Vergleichen kann man den Film was das angeht vielleicht mit "Smokin' Aces", welcher aber ein anderes Genre einschlaegt, waehrend "Running Scared" eben ein ernstert Thriller ist, auch wenn manche Figuren etwas ueberzeichnet und wirken, was aber wohl eine comichafte Darstellung aufweisen soll - so wird der Abspann durch ebensolche Comic-Visualisierungen dominiert.
Im aeußerst brutalen Finale, wenn es zum Klimax kommt, wird es zugebenermaßen ein wenig wirr, aber wenn man genau aufpasst, bekommt man noch alles mit, trotz der vielen Wendungen, die hier nochmal zu Tage treten.

Fazit:
Running Scared ist ein erstklassiger Beitrag im Thriller-Genre, der auf schonungslos brutale Weise die menschlichen / sozialen Abgruende und die schmutzige Seite der Gesellschaft praesentiert. Durch die geniale Inszenierung und den guten bis sehr guten Leistungen der Darsteller weiß der Film zu von der ersten Minute an bis zur letzten zu fesseln und den Zuschauer ordentlich durchzuschuetteln. 8.5/10



Zur Blu-Ray von 3L-HomeVideo:
Amaray mit Wendecover

Bild: Das Bild kann allein durch die Stilmittel (Filmkorn, starke Kontraste, etc.) schon keine Referenzwerte erreichen, muss es aber auch nicht. Guter Schwarzwert und Schaerfe, die in Nahaufnahmen sehr gut zur Geltung kommt. Insgesamt aufjedenfall gut und der gegnüber DVD in allen Punkten erhaben. Format: 2,35:1 (1080p). 8/10

Ton: Deutsch und Englisch in DTS-HD MA 5.1 - Ich habe den FIlm nur auf deutsch gesichtet, kann aber sagen, dass die SPur sauber abgemischt wurde und es hier und da ordentlich Krach und dies sehr gut rueberkommt. 8.5/10

Extras: Welche Extras? Auch hier nur die uebliche Trailershow. Schade drum. 1/10


An dieser Stelle herzlichen Dank an 3L-HomeVideo fuer das Rezensionsexemplar!

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Bilder:
-eigene Screens

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