Freitag, 10. Februar 2012

Kurzreview: I Melt With You (2011)




Plot:
Jonathan, Richard, Ron und Tim sind gute Freunde aus College-Zeiten und mittlerweile alle Mitte 40. Als sie ihr jährliches Wiedersehen feiern, läuft nicht alles wie erwartet und die Dinge geraten außer Kontrolle. Alkohol- und Drogenexzesse, wilde Partys und ein Pakt aus Jugendzeiten wird erneut aufgegriffen...


Filmkritik:
[kann minimale Spoiler beinhalten]

Vier alte Freunde treffen sich, wie jedes Jahr einmal, um eine Woche lang Spaß zu haben und in laengst vergangenen Zeiten zu schwelgen.
Was zunaechst den Anschein eines krassen Partywochenendes voll von Alkohol und Drogen hat, mutiert zu einem duesteren psycho-dramatischen Spiel zwischen den vier Freunden. Der Film wird stets begleitet von einem oft genial rockigen Soundtrack (Sex Pistols, Dead Kennedys, Filter, Pixies, The Clash u.v.m.), der einfach Spaß macht.
Dazu kommt die einmalige Kulisse des "Big Sur", einem atemberaubenden Kuestenstreifen mit Duenen, Sand- und Felsstraenden und einer faszinierenden Klippenlandschaft - voellig abgelgen von der "echten" Welt. Ebenso eindrucksvoll wurde diese Szenerie hier von Kameramann Eric Schmidt ("The Mechanic") eingefangen. Eine perfekte Umgebung also, um der Realitaet zu entfliehen, auch fuer die Protagonisten des Films, so scheint es.

Daneben macht sich jedoch nach und nach ein großer Anteil an Melancholie und Depression breit, die die Abgruende und ganz persoenlichen Krisen der einzelnen Identitaeten offenbart. Dabei geht es auch um das allgemeine Thema der in der Jugend gesetzten, aber nie in der Form verwirklichten Ziele. Um diese "Hardcore-Midlife-Crisis" zu kompensieren findet sich ein wahres Sammelsurium an Drogen, dass es vollends auszuschoepfen gilt. Einen derartig hohen und vor allem ruecksichtslosen Konsum von Rauschmitteln hat man schon lange nicht mehr in einem Film gesehen.

Drogencocktail fuer Jonathan (Rob Lowe, links)

Die vier Darsteller, speziell Thomas Jane und Rob Lowe, machen einen verdammt guten Eindruck und irgendwie goennt man es ihnen doch sehr... auch nachdem "Give 'Em Hell Malone" mit Jane nicht der versprochene Noir-Actioner wurde, den man sich erhofft hatte und Lowe zuletzt vermehrt in Serien ("Californication", "Brothers & Sisters") zu sehen war. Die Maenner leisten ganze Arbeit mit ihrer perfekt akzentuierten Darstellung. Hier braucht es keine (Moechtegern-)Starpower eines, sagen wir mal, Bradley Cooper ("Hangover") oder dergleichen. Schade nur, dass soetwas nur selten wahrgenommen bzw. zu wenig anerkannt wird, denn jeder der vier Schauspieler hat mit seiner Rolle im Film nochmal eine eindeutige Empfehlung fuer sich selbst ausschreiben koennen.
Wie beispielweise Entertainment Weekly, um nur einen unter vielen zu nennen, den Film als schlechtesten Film des Jahres 2011 werten koennen, will sich mir absolut nicht erschließen.

Das Haus der vier Freunde am "Big Sur"

Bedrueckend, duester, exzessiv, kompromisslos, nervenaufreibend, radikal und roh. All das beschreibt "I Melt With You", diesen Rausch von Film. Es ist wahrlich ein Geheimtipp, der sich lohnt. Sicher nicht fuer Jedermann geeignet, aber man kann nur hoffen, dass er irgendwann sein Publikum und noch mehr Anklang finden wird. Leute, die Filme moegen, die manchmal ein Schlag in die Magengrube sind und noch Tagelang nachwirken, werden ihre Freude mit dem Film haben.
Mit Luft nach oben: 8.5/10


"Every time we were together, we were not present. We weren't here. We were wasted! We were always fucking wasted, okay? We didn't do what we said we would. Maybe... all this... was... a way of saying... we remembered... we remembered what we used to feel." [Richard]


Bilder:
filmofilia.com
Eigene Screenshots 

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