Montag, 7. November 2011

Review: The Veteran (2011)



Plot:
Als der Veteran Robert Miller (Toby Kebbell) aus Afghanistan heimkehrt, hat sich seine Nachbarschaft verändert. Brutale Drogenhändler kontrollieren seinen Wohnblock in Südlondon.

Auf der Suche nach einer Aufgabe bringt ihn sein alter Freund und Ex-Marine Danny (Tom Brooke) zum mysteriösen Geheimdienstler Langdon (Brian Cox). Dieser wirbt Miller für eine Undercover-Mission an: Er soll Terroristen observieren, die einen Anschlag vorbereiten.

Doch Miller findet viel mehr raus, als seinen Vorgesetzten lieb sein kann. Die Spuren führen von den Drogenhändlern seines Blocks in den britischen Geheimdienst. Der zunehmend paranoide Veteran wittert eine unfassbare Verschwörung. Miller sieht nur noch einen Weg: Er muss handeln.


Filmkritik:
[kann leichte Spoiler enthalten]

Im Jahr 2008 machte Regisseur Matthew Hope mit seinem ersten Feature-Length-Film "The Vanguard" das erste Mal von sich reden - wenn auch eher negativ, so war der Film doch ein ziemlicher Reinfall. Mit seinem neuen frisch auf Blu-Ray und DVD erschienenen Film "The Veteran" versucht er es ein zweites Mal. Diesmal sollte es dann um einen depressiven, vom Posttraumatischen Stress-Syndrom (kurz: PTSD) geplagten Adghanistan- und Irakveteranen gehen, der in seine Heimat zurueckkehrt und versucht Fuß zu fassen. Erinnert ein wenig an Scorsese's legendaerem "Taxi Driver", welchen, wie ich gestehen muss, bisher nur stueckweise auf franzoesisch gesehen habe.
Passenderweise erhielt Hope Unterstuetzung vom Afghanistan-Veteranen Robert Henry Craft, der uebrigens auch selbst an PTSD leidet. Er war als Co-Autor taetig. In einem Interview macht er zudem klar, dass der Film zu gewissen Teilen auf seinen Erlebnissen basiert.


Ich muss zugeben, dass ich mir unter dem Film etwas Anderes vorgestellt hatte. Ich rechnete mit einem zu großen Teilen aus Actionszenen bestehendem Film, der nicht viel Wert auf Charaktere legt und einfach kurzweilig ist und Spaß machen soll. Ganz, ganz weit gefehlt. Zum Glueck eigentlich, denn was auf mich wartete, ging in eine weitaus ernstere Richtung, extrem nuechtern erzaehlt und sehr eindringlich.
Von Anfang an zeigt sich, dass mit Toby Kebbell's Charakter, Robert Miller, etwas nicht stimmt bzw. der Krieg offenbar nicht nur aeußere Narben hinterlassen hat. Miller kommt zurueck in seine Heimat, in seine alte Gegend, in der er zuvor lebte. Er wird schnell mit Veraenderungen konfrontiert und es zwingt sich bereits nach kurzer Zeit der Gedanke "Hey, irgendwie erinnert mich das an 'Harry Brown' mit Michael Caine!" auf. Das ist nicht ganz abwegig, so ist die Inszenierung in gewissen Teilen aehnlich und man verfolgt  vordergruendig nur einem einzelnen Protagonisten, auch wenn er gelegentlich Unterstuetzung findet.


Darueberhinaus versucht man dem Charakter mehr Tiefe zu verleihen und sein psychisches Leiden weiter zu ergruenden, was leider nur teilweise gelingt. In manchen Szenen wirkt es einfach nicht authentisch genug, wenn Kebbell bspw. vor dem Spiegel steht und fuenf, sechs mal auf die Wand daneben eindrischt. Daneben gibt es wieder andere Szenen, die dies besser suggerieren koennen, aber von einer kaputten Seele, wie die des Travis Bickle in besagtem "Taxi Driver" ist man noch weit entfernt. Toby Kebbell, den man mittlerweile aus Filmen wie "Rock'n'Rolla" (hier war er ganz, ganz große Klasse!), "Prince of Persia" oder auch "Control" kennt, spielt die meiste Zeit bewusst sehr ausdruckslos um eine das Trauma und seine Distanz besser verdeutlichen zu koennen. Er schafft es den Film ohne Probleme vollkommen allein zu tragen.
Unterstuetzung wiederum findet das Leidwesen des Protagonisten und die allgemeine sehr kuehle Stimmung ebenfalls durch die Tristesse, die durch Londons Vororte vermittelt wird. Alles ist eintoenig, grau in grau, duester und wirkt aeußerst schwermuetig.


Die Verschwoerung, die aufgedeckt wird, bietet an sich einige sehr interessante Aspekte, die in einem genialen Monolog von Brian Cox als vermeintlich boeser Politiker (?), der im Hintergrund die Strippen zieht, ausgefuehrt. Leider haette dies noch mehr Erwaehnung finden koennen, auch wenn die Brisanz des Themas bereits sehr praesent ist.
Das Finale dreht actionmaeßig nochmal auf, wenngleich die Action an sich nicht im Fokus steht, sondern viel mehr die Taten, die hier ungemein kompromisslos begangen werden - ganz zum Ende bleibt einem schlichtweg die Spucke weg und man verbleibt erstmal zwei Minuten lang starr vor dem Fernseher, waehrend die Credits dahin flimmern. Ganz starker letzter Teil, der einem nochmal zeigt wie sinnlos Gewalt doch sein kann.

Fazit:
"The Veteran" ist kein Film, den man sich mal eben zwischendurch ansieht. Man muss fuer diesen pessimistischen, duesteren Film in Stimmung sein und ein wenig Geduld aufbringen, denn der Film hats, trotz kleinerer Macken, verdient! Von Toby Kebbell kann man in naechster Zeit vermutlich noch so einiges erwarten - hoffe ich zumindest. 7.5/10




Zur Blu-Ray Veröffentlichung von Ascot Elite / Pandastorm:
Amaray mit Wendecover

Bild: Die meiste Zeit weist die Blu-Ray eine sehr gute Schaerfe auf, unterstuetzt von einem ebenfalls sehr guten Schwarzwert. Man kann sich hier absolut nicht beklagen! Format: 16:9 / 1,78:1 / 1080p. 8.5/10

Ton: Es gibt eine deutsche und englische Tonspur, die jeweils DTS-HD Master Audio 5.1 codiert sind. Der Klang weiß zu ueberzeugen und, wenn es mal knallt, kommen die Baesse ebenfalls sehr gut rueber und die Boxen werden auch lle gut genutzt. Untertitel sind lediglich auf deutsch vorhanden. 8.5/10

Extras: Hier gibt es leider nicht allzu viel zu bieten. Interviews mit einigen Darstellern, Regisseur und Drehbuchautor, die alle um die 2-3 Minuten dauern. Weiterhin finden sich Deleted Scenes und ein Behind The Scenes Feature auf der Blu-Ray. Die uebliche Trailershow faellt hier mit ganzen zehn Stueck an der Zahl uebrigens relativ groß aus. 5.5/10

An dieser Stelle herzlichen Dank an Ascot Elite fuer das Rezensionsexemplar!

Kommentare:

Martin Riedel hat gesagt…

Liest sich ja nicht schlecht, ich glaub dem geb ich eine Chance ;)

samploo hat gesagt…

Solltest du auf jedenfall, aber wie bereits geschrieben, musst du dafuer wirklich einigermaßen in Stimmung sein.