Freitag, 18. November 2011

Review: 13 Assassins (2010)




Plot:
Um die Ehre des Shogun zu retten und das Land vor großem Schaden zu bewahren, gehen 13 mutige Samurai auf eine schier unmögliche Mission. Unter Führung des ehrenwerten Shinzaemon wollen sie Lord Naritsugu, den Halbbruder des Shogun, ermorden, bevor er seinen Platz im Rat einnehmen kann. Denn Naritsugu ist ein kranker Sadist, der aus purem Vergnügen foltert, verstümmelt und tötet und davon träumt, die lange Friedenszeit des japanischen Reiches endlich durch einen amüsanten Krieg zu beenden. Aber der brutale Lord umgibt sich stets mit einer zahlreichen Leibgarde. Shinzaemon arbeitet einen raffinierten Hinterhalt aus, um die Überlegenheit des Gegners zumindest zu reduzieren. Trotzdem wissen die 13 Krieger, dass sie die Mission vielleicht erfüllen, aber kaum überleben werden...


Einleitung:

Workaholic. Rebell. Enfant Terrible. Provokateur. Genie. All das kann man wohl auf Takashi Miike beziehen. Der Mann, der im Jahr auch mal ganze fuenf Filme rausbringen kann - als Regisseur wohlgemerkt. Die Ergebnisse sind dabei stets sehr unterschiedlich. Kinderfilm, Komoedie, Drama, Action, Fantasy, Sci-Fi, Horror oder Splatter - er hat sicher schon jedes Genre mindestens einmal durch.
Mit "13 Assassins" wollte er den "Chanbara"-Film wiederbeleben. Chanbara ist die japanische Bezeichnung fuer Samurai- bzw. Schwertkampffilme. Laut Miike haben viele Regisseure versagt, die in den letzten Jahren Remakes / Neuinterptretationen / neue Filme zu diesem Genre realisierten.

"Over the years, people have remade Kurosawa movies, 
but failed every time because they have not been able to adapt the story into something young audiences can understand." - Takashi Miike

Miike betonte zudem, dass viele neue Filme des Genres ein Problem gemeinsam haben - es werden unnoetige Liebesgeschichten eingebaut oder moderne Verhaltensweise dazugemengt, statt sich auf das urspruengliche Wesen bzw. dem Weg des Samurai, dem sogenannten "Bushidō", zu konzentrieren. Dies wolle er bei seinem Film tunlichst vermeiden.


"It was important to avoid doing what most modern-day chanbara do, which is to insert a love story, or interpose modern-day mindsets." - Takashi Miike

Jetzt wollte er es also selbst versuchen - mit seinem Remake zu Eiichi Kudo's Klassiker aus dem Jahr 1963 (welchen ich bis dato noch nicht gesehen habe), dem gleichnamigen "13 Assassins" (OT: "Jûsan-nin no shikaku").
Es werden uebrigens oft Parallelen zu Akira Kurosawa's "Die sieben Samurai", vermutlich dem Samurai-Film schlechthin, gezogen. So wird in beiden Werken ein Dorf zu einer Festung umfunktioniert um daraufhin gegen eine Scharr von Gegnern anzutreten, was aber wohl die einzige, wesentliche Gemeinsamkeit zu ist.


Filmkritik:
[kann leichte Spoiler enthalten]

Zunaechst moechte ich klarstellen, dass man den Film im Original-Ton (mit Untertiteln) schauen sollte. Nicht weil ich die deutsche Synchronisation geringschaetzen moechte, sondern viel mehr, weil es gerade bei japanischen Samurai-Filmen fast unvermeidbar ist, da die Sprache hier oft einen Großteil der Authenzitaet und somit auch der Atmosphaere ausmacht.

"13 Krieger. 1 Armee. Totales Massaker." - So steht es auf dem Cover der BD/DVD geschrieben. Bevor man aber ein "300"-maeßiges Schlachtenepos erwartet, sollte man sich darueber im Klaren sein, dass sich der Film von Beginn sehr, sehr viel Zeit nimmt, um Charaktere einzufuehren, deren Motivation zur Teilnahme an der Operation zu erklaeren, das Geschehen und die allgemeine Lage zu verdeutlichen und natuerlich auf besagtem Weg des Samurais mit all seinen daraus resultierenden (inneren) Konflikten einzugehen.


Der Film ist grundlegend in zwei Akte eingeteilt: Dem ruhigen, einfuehrenden Teil, der sich mit den Charakteren und den Grundsaetzen eines Samurai auseinandersetzt und dem Action-Teil, der den Kampf der Truppe gegen die vermeintliche Uebermacht zeigt. Dazwischen gibt es keine nennenswerten Abschnitte, die irgendwelche Wendungen herbeifuehren haetten koennen. Das tolle ist, dass beide Akte gleichermaßen zu ueberzeugen wissen und nahtlos ineinander uebergehen, ohne dass es zu abrupt und ploetzlich erscheint.
Von den 125 Minuten handeln sicher 70 Minuten allein von der Auftragsgebung, Kriegerauswahl, Training und dazwischen kurzen Flashbacks, die gleichermaßen die Grausamkeit des Lords Naritsugu  (Gorô Inagaki) und somit auch die Notwendigkeit diesen zu eliminieren darstellen. Von Langeweile kann jedoch keine Rede sein, sofern man sich auch nur ein wenig fuer die Thematik an sich interessiert (was bei mir zweifellos der Fall ist, rannte ich doch vor sechs Jahren als damals 15-Jaehriger nach Sichtung von "Ghost Dog - Der Weg des Samurai" in die naechste Buecherei, um mir das "Hagakure" [Band I und II in einem] zuzulegen). Das Vorgehen und die Entwicklung sind daher, fuer mich zumindest, einfach hochinteressant anzusehen. Man taucht regelrecht ab in diese Welt.

Auf der einen Seite sind also die dreizehn Krieger, einschließlich ihres Anfuehrers Shinzaemon Shimada. Dass hier nicht jedem Einzelnen die gleiche Tiefe zugewiesen wird, sollte klar sein, da sich der Film sonst doch zu sehr ziehen wuerde. Dennoch wird auf genuegend Charaktere mehr als ausreichend eingegangen und besondere Eigenarten und Gruende fuer ihre Teilnahme stellen sich genauer heraus, durch die man erstens die verschiedenen Samurai besser unterscheiden kann und zweitens einen naeheren Bezug zu ihnen erhaelt.


Andererseits beschaeftigt sich der Film auch mit den Samurai, die dem Fürsten Naritsugu dienen. Allen voran geht es hier um Hanbei (Masachika Ichimura), der ein ehemaliger Trainingspartner vom Anfuehrer der dreizehn Attentaeter und Protagonisten Shinzaemon (Kôji Yakusho) ist. Hier entstehen naemlich gewaltige Konflikte, die einerseits den gesunden Menschenverstand der Samurai auf die Probe stellen, andererseits jedoch auch die Loyalitaet und Treue des Fuersten gegenueber anzweifeln. Das Dilemma, dass der Kodex der Samurai mit sich bringt findet hier wieder viel Beachtung, was fuer diejenigen, die sich damit etwas auskennen, in jedem Fall ein interessanter Gesichtspunkt ist.
Dadurch verleiht Regisseur Miike auch den vermeintlichen Antagonisten ein Gesicht und zeigt, dass diese genaugenommen gar nicht direkt als solche zu bezeichnen sind, aufgrund des Kodex, den sie als Samurai zu befolgen haben, sondern nur ihrem sadistischen Fürsten unterstehen und saemtliche Befehle befolgen muessen. Sehr schoen, dass Miike sich die Zeit dafuer nimmt, diesen konfliktbeladenen Sachverhalt passend zu veranschaulichen.

Ab der zweiten Haelfte, wenn sich die dreizehn Verbuendeten auf den Weg machen, koennen sich erstmals die toll eingefangenen Bilder bemerkbar machen. Das kommt besonders bei den Dschungelaufnahmen zur Geltung oder wenn die Kamera ueber selbigen hinwegfliegt. In hoechstem Maße imposant.


Der letzte Akt, die letzten 40 Minuten, stellen den gesamten Showdown dar. Das klingt vielleicht etwas lang, gleicht sich aber mit dem vorangegangen ruhigeren Part perfekt aus. Es kommt durchweg zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf - ganz im Gegenteil, man fiebert bis zum Aeußersten mit und der Spannungsgrad bewegt sich auf extrem hohen Niveau. 
Die Inszenierung der Schwertkaempfe ist erstklassig, so wie man es schon laenger nicht mehr genießen konnte. Der Choereograph hat hier offensichtlich ganze Arbeit geleistet, wenn man bedenkt, dass man nur zwei Wochen Drehzeit hatte und die Haelfte der dreizehn Samurai noch nie ein Schwert in der Hand hielt, geschweige denn wusste, wie man selbiges zu fuehren hat. Die Action verkommt in keinem Moment zur bloßen stylischen Prasentation ihrerselbst, wie in anderen "Style-over-Substance"-Produktionen. Stattdessen ist sie fortwaehrend beklemmend und unangenehm, was eine ungemeine Anspannung aufkommen laesst, was wiederum natuerlich als positiver Aspekt zu verzeichnen ist.

Was den Gewaltgrad betrifft, so wird nicht mit Blutfontaenen gegeizt und ab und an rollt auch mal der ein oder andere Kopf -  man sollte hier aber beruecksichtigen, dass es sich um einen Film von Takashi Miike handelt, der seinen Hang zum Morbiden, Abstoßenden und aeußerst Brutalem schon oft gezeigt hat. In Relation dazu bewegt sich das, was man zu sehen bekommt noch in einem sehr humanen Rahmen. Man braucht sich also nicht abschrecken lassen, wenn man bisher (vielleicht nicht ganz zu Unrecht) Miike's Werke scheute. Grenzen des guten Geschmacks ueberschreitet er, wie fuer Einige z.B. in "Ichi - The Killer", hier folglich keineswegs.











Im Gegensatz dazu bewegt sich die Bildgewalt auf einem außergewoehnlich hohen Level. Aufregende Eins-gegen-Eins-Duelle oder auch Zwei-gegen-Zwanzig-Duelle, Bruecken stuerzen ein, Haeuser werden komplett gesprengt und die Kamerafahrten durch das ploetzlich nicht mehr allzu stille, dafuer in Blut getraenkte, von Schwertern und Pfeilen dominierte Dorf sind so intensiv, dass sie einem den Atem rauben.
Die Spannung bleibt bis zuletzt bestehen, wo es zu einem fuer Samurai-Filme typischen Showdown bzw. Duell kommt. Respekt dafuer, dass Miike es geschafft hat den Spannungsbogen derart lange aufrecht zu erhalten, ohne ihn je auch nur annaehernd einreißen zu lassen.

Einen Wermutstropfen gibt es leider doch. Die internationale Fassung, welche hier nur erhaeltlich ist, wurde leider um ca. 17 Minuten erleichtert. Hier werden japanische Mythen thematisiert, welche insbesondere mehr Aufschluss ueber einen der dreizehn Krieger bieten. Man hat sich aber wohl gedacht, dass der westliche Zuschauer sein Hirn nicht anstrengen moechte, weshalb man diese Szenen rausnahm, um einen nicht zu verwirren. Miike hat sich zwar selbst fuer diese Straffung fuer unseren Markt eingesetzt, aber dennoch gibt es gerade aufgrund gewisser fehlender Szenen einige Ungereimtheiten, die das Ende unrund wirken lassen. Nun muss man aber sagen, dass ein Großteil der Szenen als Deleted Scenes Material auf der DVD/BD vorhanden ist, aber eben nicht alles. Wieso man nicht beide Fassungen integrieren konnte, die Internationale und die Japanische, will sich mir nicht erschließen. Mehr dazu kann man in dem dazugehoerigen Artikel auf Schnittberichte.com nachlesen.

Fazit:
Wer eine Affinitaet zum Genre hat, der wird sich mit diesem atmosphaerischen, bildgewaltigen und hochspannendem Film definitiv praechtig amuesieren koennen. Es werden sowohl leisere Toene angeschlagen, als auch Toene der haerteren Gangart, dass es ordentlich kracht. Takashi Miike hat es geschafft. Sein Remake ist ein voller Erfolg und man darf sich auf seinen naechsten Chanbara freuen, denn "Hara-Kiri: Death of a Samurai" lief bereits in Cannes. 8.5/10



 Zur Blu-Ray Veröffentlichung von Ascot Elite: 
Amaray mit Wendecover

Bild:  Das Bild punktet mit einem durchweg guten Schaerfewert. Vor allem die Szenen des Dschungels und der Schlacht haben es mir angetan. Schwaechen gibt es lediglich in dunkleren Bereichen, wo etwas das Bild etwas koernig wird. Insgesamt handelt es sich jedoch um einen gelungenen HD-Transfer. Format: 2,35:1 (1080p). 8/10

Ton: Es gibt eine deutsche und japanische Tonspur, die jeweils DTS-HD Master Audio 5.1 codiert sind. Verstaendlicherweise hat der Ton in der ersten Haelfte nicht sonderlich viel zu bieten, da zu wenig passiert, was man der BD daher nicht ankreiden kann. Waehrend der Schlacht tritt die Qualitaet erst so richtig zu Tage und man ist schlicht begeistert von den lauten, brachialen Sounds. An Untertiteln findet man lediglich die Deutschen vor. 9/10

Extras: Original Trailer, alternativer Trailer und Deleted Scenes. Die zusaetzlichen Szenen zeigen einige Szenen, die man in der japanischen Filmfassung vorfindet, aber komischerweise auch Szenen, die im Film so bereits zu sehen waren. Interessant ist es dennoch, da man durch die zusaetzlichen Szenen tatsaechlich das ein oder andere Loch schließen kann. Ferner gibt es noch eine uebliche Trailershow und das wars leider schon. 4,5/10


An dieser Stelle herzlichen Dank an Ascot Elite fuer das Rezensionsexemplar!

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Bilder:
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