Donnerstag, 23. Februar 2012

Film- / Serienreview: "Sherlock - Eine Legende kehrt zurück" Staffel 1

Creator(s): Mark Gatiss, Steven Moffat | Cast: Benedict Cumberbatch, Martin Freeman
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Sherlock staffel 1 poster blu-ray front cover

 

 Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) meldet sich zurück und ist jünger und energetischer denn je! In der ebenso originellen wie spannenden Neuauflage des klassischen Stoffes nach Sir Arthur Conan Doyle begibt sich Holmes mit Smartphone und Notebook bewaffnet auf große Verbrecherjagd im London des 21. Jahrhunderts. Unterstützung erfährt er in Dr. John H. Watson (Martin Freeman, „Hot Fuzz“), einem posttraumatisierten Kriegsveteranen, der Holmes bei dessen Ermittlungen nicht von der Seite weicht.

 

Mit der britischen Serie “Sherlock” hat man mit etwas Altem mal etwas angenehm Frisches geschaffen. Der weltbekannte Detektiv und sein Kollege Watson machen eine Zeitreise ins 21. Jahrhundert – dabei werden viele bekannte Gepflogenheiten, die man von den Charakteren bereits kennt, ebenfalls ins Hier und Jetzt transportiert. Sherlock Holmes raucht keine Pfeife, er benutzt Nikotinpflaster. Watson schreibt statt eines Tagebuchs einen Blog. Das kommt schon ganz amüsant rüber, wenn man das so sieht.

Den von Robert Downey Jr. verkörperten Sherlock kann Benedict Cumberbatch (“Dame König As Spion”, “Gefährten”) mit seiner Leistung in der Serie locker in die Tasche stecken. Er ist sarkastischer, scharfsinniger, witziger, ohne ins Alberne abzudriften und hält sich, trotz des Zeitsprungs, näher an Arthur Conan Doyle’s ursprünglichem Holmes. Die Analysen des Meisters suchen seinesgleichen und begeistern jedes Mal wieder aufs Neue und lassen den Zuschauer oft vor lauter Staunen letztlich nur noch mit einem Schmunzeln zurück.

sherlock und watson - serie
So, wie man die Rolle in der Serie zu sehen bekommt, kann man dazu neigen einen Vergleich zu Hugh Laurie’s Dr. House zu ziehen, was nicht völlig abwegig ist, so haben beide einen ausgeprägten Hang zum Sarkasmus, halten sich für äußerst intelligent (was, ja nicht abwegig ist) und werden von dem Zwang verfolgt alles und jeden zu analysieren und sämtliche Fälle, mit denen sie in Kontakt treten zu lösen. Anders als der verbitterte Arzt, ist der Meisterdetektiv hier hingegen kein Mensch, der alles und jeden hasst oder zumindest so tut als ob. 

Martin Freeman, der angehende Bilbo Beutlin (“Der Hobbit”), spielt Dr. Watson, den ewigen Kumpanen Sherlocks. Man tat gut daran, John Watson eine gebührende Einleitung zu geben und dort anzusetzen, wo Sherlock und Watson noch keine Partner sind, sondern sich erst noch kennenlernen. Watson ist zwar Arzt, jedoch ein Kriegsarzt, der traumatisiert aus Afghanistan zurückkehrt und an seinen traumatischen Erlebnissen zu nagen hat.
Jedoch bleibt dafür nicht allzu viel Zeit, nachdem er Sherlock Holmes kennengelernt hat und erkennt, dass er eben genau diesen aufregenden und gefährlichen Teil seines Lebens zu vermissen scheint. Die Freundschaft der beiden wird von einigen Running-Gags dominiert und man entwickelt ungemeine Sympathien für die beiden Freunde. Dr. John Watson stellt dabei den Identifikationscharakter dar, wesentlich geerdeter als sein Partner, während dieser den Begeisternden Part vollkommen einnimmt. Hier wird sich nicht großartig in den Vordergrund gespielt, wobei die Titelrolle natürlich ein klein wenig mehr Platz einnimmt. Mit einem geschätzten 55:45 Verhältnis ist das allerdings als relativ ausgewogen zu betrachten.

sherlock ermittlungen echtzeitDie Inszenierung geht zuweilen locker über das typische Serienniveau hinaus und könnte auch als Filmproduktion durchgehen. Ebenfalls wartet die Serie mit dem ein oder anderen weiteren originellen Kniff auf. Man sieht beispielsweise häufig “Live-Texteinblendungen”, um dem Zuschauer zu zeigen, was jemand beispielsweise gerade mit seinem Smartphone macht oder eben auch die über den Bildschirm wuselnden Gedankengänge Holmes’. Das ist insofern als positiv zu werten, da man als Außenstehender dadurch besser mit in die Handlung einbezogen wird und anfängt mitzurätseln, da Holmes oft nicht gleich seine längst gezogenen Schlüsse preisgibt. Die Spannung bleibt somit oft bis zum Schluss erhalten, auch wenn man vielleicht schon Teilschlüsse ziehen konnte, so wartet nicht selten immer noch eine Überraschung auf den Zuschauer.

Es ist unglaublich wie schnell man sich daran gewöhnt, dass das Geschehen im heutigen Zeitgeschehen - mit Computern, dem Internet, Smartphones uvm - stattfindet. Bereits ab dem zweiten Film bzw. der zweiten Episode oder viel mehr spätestens dann erachtet man dies für selbstverständlich, was wohl auf die hervorragenden Drehbuchautoren, die erstklassige Inszenierung, die beiden wunderbaren Hauptdarsteller und ihre durchweg guten Nebendarsteller zurückzuführen ist. Der Transfer ist gelungen, die Zeitreise ist geglückt. “Sherlock” ist ein voller Erfolg – bitte noch viel mehr davon!

 

Episoden im Überblick:

Ein Fall von Pink (OT: A Study in Pink), Regie: Paul McGuigan8/10

Der blinde Banker (OT: The Blind Banker), Regie: Euros Lyn8/10

Das Große Spiel (OT: The Great Game), Regie: Paul McGuigan9/10

 

Zur Blu-Ray Veroeffentlichung von Polyband:

Die Blu-Ray kommt als Amaray verpackt in einem Pappschuber daher – leider beides mit einem dicken, nicht ablösbaren Flatschen behaftet.

Bild: Was die optischen Werte betrifft, so weiß das Bild durch eine überaus gute Schärfe und Kantenzeichnung zu punkten. Der Schwarzwert ist ebenfalls sehr gut, während die Farben etwas schwächer wirken, kraftlos. Dies scheint allerdings durchaus gewollt zu sein. Ansonsten tritt in manchen dunkleren Szenen gelegentlich etwas Filmkorn auf und gelegentlich macht sich eine gewisse Weichzeichnung breit, wobei ich nicht sagen kann ob das gewollt ist oder nicht. Serientypisch kommt das Format im Vollbild daher (1,78:1). 8/10

Ton: Vorhanden ist die englische Originaltonspur und die deutsche Synchronfassung – beides in DTS HD 5.1. Erquickenden Surroundsound braucht man hier nicht erwarten, da es sich eben um eine Serie handelt und dies meist der Fall ist. Sprachwiedergabe, Musik und sonstige Geräuschkulissen sind gut verständlich und klingen ordentlich. 7/10

Extras: Neben dem ausführlichen Booklet findet sich auf den Discs der ursprüngliche Pilotfilm der Serie, der knapp eine Stunde Laufzeit beträgt, jedoch nur im Originalton vorhanden ist. Weiterhin gibt es zwei Audiokommentare und ein Making-Of (30 min), welches leider ebenfalls nur auf Englisch vorliegt. 7/10

 

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Bilder:
polyband.de
f.a.z. fernsehblog

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