Samstag, 26. November 2011

Review: The Machinist (2004)




Plot:
Der seit einem Jahr an akuter Schlaflosigkeit leidende, abgemagerte Fabrikarbeiter Trevor Reznik (Christian Bale) führt ein trostloses Dasein. Die einzigen Freuden in seinem tristen Leben sind die Besuche bei der Prostituierten Stevie (Jennifer Jason Leigh) und regelmäßige Gespräche mit der Kellnerin Marie (Aitana Sánchez-Gijón). Als Trevor eines Tages von einem anderen Arbeiter abgelenkt wird, verursacht er einen Arbeitsunfall, bei dem sein Kollege Miller (Michael Ironside) einen Arm verliert. Wenig später erfährt er, dass der andere Kollege offiziell gar nicht existiert und steht kurz vor der Kündigung. Weitere merkwürdige Ereignisse folgen, die Trevor immer tiefer in einen Sumpf der Paranoia und Selbstzerstörung abgleiten lassen...


Filmkritik:
[kann leichte Spoiler enthalten]

Was laesst sich noch zu The Machinist sagen? Den Film sollte mittlerweile fast jeder kennen, der sich einigermaßen regelmaeßig (die richtigen) Filme anschaut. Regisseur Brad Anderson hat hier etwas wirklich geniales vollbracht. Er schuf einen Film mit Noir-Anleihen, vielen Suspense-Elementen und einer Story, die den Zuschauer mehr als klar auffordert mitzudenken. Der Film hat noch eine lange Nachwirkzeit und viele Dinge fallen einem erst retrospektiv auf, sodass der Film mehr als nur einmal zur Neusichtung einlaedt, was immer ein sehr gutes Zeichen ist.

Trevor Reznik (Christian Bale)

Man koennte meinen der Film wuerde von seiner (genialen) Aufloesung leben, was eine Neusichtung quasi bedeutngslos machen wuerde. Dem kann ich absolut nicht zustimmen, denn wenn man sich den Film nochmals ansieht, wird man feststellen, wie viele Hinweise waehrend des Films gestreut werden, die auf den Konflikt des Protagonisten Trevor Reznik, hervorragend gespielt von Christian Bale, oder auch andeutungsweise auf das Finale hinweisen. Selbst bei einer Dritt-Sichtung fielen mir noch reichlich neue Verweise / Anhaltspunkte ins Auge, die den Plot auf gewisse Weise antreiben koennen. Das wiederum macht einen deutlichen Reiz aus, all diese Ver- bzw Hinweise entdecken zu wollen.

Ohne das geniale Drehbuch von Scott Kosar und die einwandfreie Regie von Anderson wuerde das alles aber gar nicht funktionieren. Ab der ersten Minute wird bereits die Spannungsschraube angezogen und waehrend des Filmverlaufs geschieht dies immer kontinuierlicher und staerker. Gepaart mit den staendig neuen aufkommenden Raetseln und Mysterien, neue sich auftuende Abgruende wird der Zuschauer von dem Film aufgesogen bzw. sprichwoertlich in einen Abgrund aus Paranoia,
Tristesse und staendiger Bedrohung gestoßen, was die Atmosphaere permanent auf dem Maximum-Level wandeln laesst - ganz groß!
Der Thriller beinhaltet zusaetzlich eindeutige Elemente des Film Noir und kann daher als Neo Noir bezeichnet werden. Zurueckzufuehren ist dies auf die kalte Farbgebung, die sich durch den Film zieht und ihn beinahe wie einen Schwarz-Weiß-Film erscheinen laesst, waere da nicht das feuerrote Gefaehrt Ivans, [SPOILER VORAUS] was den direkten Blick in Trevors Vergangenheit darstellt - eine vermeintlich bessere Zeit. [SPOILER ENDE]

 
Der Soundtrack von Roque Baños weiß die negative Stimmung mehr als passend zu untermahlen. Dieser orientiert sich zudem an einem ganz besonderen Werk - an Bernard Herrmann's Soundtrack zu Hitchcock's "Vertigo". Dazu gesellen sich einige klangvolle Melodien, die man mit alten Horrorfilmen der 50er-Jahre verbinden kann. Besonders das stets wiederkehrende Thema Trevors zieht einen in seinen Bann. Wahrlich ein Genuss sondergleichen!

Christian Bale. Der gute Christian Bale. Ist er fuer die einen der Kerl mit nur einem Gesichtsausdruck, so ist er gleichzeitig fuer die anderen einer der Hoffnungstraeger des guten Schauspiels, weiß er doch sowohl durch sein Mimik-Spiel zu ueberzeugen, als auch durch seine physischen Leistungen. Ich zaehle mich selbst zu den Bevorfuerwortern Bales. 

Durch Bale kam es vermutlich erst dazu, dass der Begriff "Method-Acting" in aller Munde war. Fuer "The Machinist" hungerte er sich auf ca. 52kg runter - bei einer Koerpergroeße von 1,83m. Das sieht genauso schlimm aus wie es klingt. Die Haut scheint nur noch ein duennes Netz zu sein, sodass man die einzelnen Knochen bereits zaehlen koennte. Hier schießen einem automatisch Bilder von Konzentrationslagern durch den Kopf.

Trevor (Christian Bale) und Stevie (Jennifer Jason Leigh)

Dass allein macht natuerlich nicht die gesamte Leistung von Bale aus, so weiß er doch immer die Verzweiflung, Angst und Panik glaubhaft darzustellen. Er macht zudem den gesamten Film ueber einen extrem unheimlichen Eindruck, dem man sich so nicht entziehen kann. 
Sein Charakter macht in dem Film eine Entwicklung durch, bei dem seine Welt durch eine Reihe von Ereignissen erschuettert wird und er sich mit seiner bisher mehr oder minder erfolgreich verdraengten Vergangenheit stellen muss und dabei verschiedene Stadien durchlaeuft. Vor allem das Thema der Bewaeltigung findet hier großen Spielraum. Hinzu kommt die Vereinsamung Trevors, was dem Charakter einen zusaetzlichen Reiz gibt.
Uebrigens: Nicht, dass seine Leistung in "The Fighter" nur ordentlich oder dergleichen waere, hier spielte er auch authentisch und gut, aber fuer die Rolle des Trevor Rezniks haette er meines Erachtens nach eher einen Oscar verdient.


Die Komponente dem Zuschauer stets falsche Faehrten zu legen und in neue Veriwrrspiele zu locken mag nur beim ersten Mal zu funktionieren, dafuer aber auch außerordentlich gut, sodass viele bereits von einem "Mindfuck" sprechen, wozu auch Filme wie "Memento", "Fight Club" oder einige Werke von David Lynch zaehlen duerften.
Wie bereits erwaehnt, erschließt sich nach der Sichtung jedoch die neue Komponente bzgl. ders Entdeckens von kleinen Hinweisen. Mal sind sie eindeutig dargestellt, mal sind es einfach bestimmte Bilder bzw. Einstellungen, die sich auf bestimmte Weisen interpretieren lassen.


Fazit:
Was bleibt ist ein abstruses, duersteres Verwirrspiel, dass es gilt zu loesen - ein Mix aus Psychodrama, Thriller und einer leichten Prise Horror. Brad Anderson hat mit "The Machinist" einen zutiefst atmosphaerischen Noir-Thriller abgeliefert, der mit einer grandiosen Story ueberzeugen kann und dabei viel Wert auf den Hauptdarsteller legt. Ein Film, der seine Zuschauer gut 95 Minuten vollkommen in seinen Bann zieht und auch nach dem Abspann noch nicht loslaesst. Das Potenzial zu einem Lieblingsfilm ist auf jedenfall gegeben. 9.5/10


Zur Blu-Ray Veröffentlichung von 3L-HomeVideo: 
Amaray mit Wendecover

Bild: Sehr gutes Gesamtniveau was die Bildqualitaet betrifft. Durchweg eine gute Schaerfe, manchmal ein bisschen FIlmkorn, was aber nicht großartig stoert. Schwarzwert ist einwandfrei. Format: 2,35:1 (1080p). 8/10

Ton: Deutsch und Englisch in DTS-HD MA 5.1 - Im Prinzip einwandfrei. Genrebedingt ist hier kein Optimum zu erwarten. Der Soundtrack kommt sehr gut rueber und akkustisch ist auch alles 1A zu verstehen. 8/10

Extras: Nur eine Trailershow, was besonders schade ist, da es bereits auf einer aelteren DVD-VÖ reichlich Specials gab. 1/10


An dieser Stelle herzlichen Dank an 3L-HomeVideo fuer das Rezensionsexemplar!

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Bilder:
Eigene Screenshots


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