Mittwoch, 4. Januar 2012

Review: The Man From Earth (2007)

Regie: Richard Schenkman | Cast: David Lee Smith, Tony Todd, Richard Riehle u.a.
IMDb | OFDb | Moviepilot



Plot:
Was würde man eine Person fragen, die man seit Jahren kennt und befreundet ist, die behauptet nicht zu altern und seit 14000 Jahren auf der Erde lebt? Die seit Jahrtausenden immer weiter zieht, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Was muss eine solche Person alles wissen? Welche Dinge und Katastrophen hat sie miterlebt? Gibt es mehrere von ihnen? Kann sie sich verlieben?


Filmkritik:
[kann minimale Spoiler enthalten]

Was fuer ein Film! Ich bin immer noch voll von den Socken. Auch wenn ich noch ein wenig skeptisch war, hatte Ich dennoch nicht unbedingt niedrige Erwartungen, da allein die Prognose auf Moviepilot mit 8.5 sehr hoch war, die Kommentare sprechen dort ebenfalls eine eindeutige Sprache, aber darauf war ich nicht gefasst. Der Film wurde mir schon des Oefteren von Freunden ans Herz gelegt, aber hier wurden meine Erwartungen wirklich uebertroffen.

Es handelt sich um eine Low-Budget Produktion, was man auch relativ schnell erkennen kann. Das ist aber voellig irrelevant. Genauso wie die Tatsache, dass man die Schauspieler allenfalls aus irgendeinem B-Movie kennt oder sie gar noch nie gesehen hat, denn die Thematik an sich bietet schon viel Gesprächsstoff - ein Mann, der von so vielen Ereignissen, die die Menschheit bewegen und praegen, berichten kann, so vieles entmystifizieren oder bestaetigen kann. Das ist eben auch mit der Grund, weshalb es auch absolut nicht stoert, dass der Film sich auf einen einzigen Standort beschraenkt - der leergeraeumten Wohnung des Protagonisten.


Ein Mann, der erzaehlt und sieben Individuen, die sowohl Schauspieler als auch ein wenig den Zuschauer selbst darstellen, da man sich schließlich in die Situation versetzt und langsam kommen einem dabei selbst Fragen in den Sinn, die man dem "Man from Earth" stellen wuerde, welche frueher oder spaeter auch noch aufgegriffen werden. Dieses indirekte Einbinden ist natuerlich ein starker Pluspunkt und immer gern gesehen.
Die Erzaehlungen sind durch die Bank interessant, zuweilen auch extrem faszinierend und unglaublich detailiert und gut durchdacht. Einer der Zuhoerer im Film merkt dazu passend, wenn auch skeptisch, an: "Er hat auf jede Frage eine passende Antwort!" (nicht der genaue Wortlaut).

Durch den hohen Unterhaltungswert der Gespraeche vergeht die Zeit wie im Flug, was nicht viele Filme, die sich so gut wie ausschließlich auf Dialoge beschraenken, schaffen. Beispielsweise der geniale (!) "Waking Life" von Richard Linklater kann unter Umstaenden sogar Muedigkeit hervorrufen, waehrend "The Man From Earth" den Zuschauer stets fesseln kann, sodass die Aufmerksamkeitsspanne fast immer auf dem Optimum liegt.


Da es sich um eine Low-Budget-Produktion handelt, erinnert der Film zeitweise an gewisse Fake-Dokus oder Dokus, die zwischendurch in ein billiges Spielfilm-Format wechseln, wie man es eben aus manchen Dokumentationen kennt, die gelegentlich noch heute im TV zu sehen sind. Hier handelt es sich jedoch um einen reinen Spielfilm, weshalb die dramaturgischen Schlaenzer in der Story durchaus ihre Berechtigung haben, auch wenn sie nicht gaenzlich ueberzeugen koennen. Der Fokus des Films aber bezieht sich auf die Gespraeche und aufgrund der Intensitaet dieser haette der Film meiner Meinung nach noch locker eine Stunder laenger laufen koennen.

Am Ende stellt man vielleicht auch fest, dass die Freunde des Protagonisten, allesamt gebildete Leute oder gar Wissenschaftler, die Meinung der Zuschauer widerspiegeln. Die einen fuehlen sich auf den Schlips getreten, vor den Kopf gestoßen oder tun das Ganze als pseudo-philosphischen Bloedsinn ab, andere versuchen das Verhalten und die Aussagen des Protagonisten auseinander zu nehmen, indem man logische Erklaerungen findet und wieder andere sind vollkommen fasziniert und wuerden den Erzaehlungen nur zu gerne Glauben schenken.


Fazit:
Trotz weniger Mittel hat Richard Schenkman es geschafft mit Hilfe des Drehbuchs von Jerome Bixby, welcher uebrigens nach der Fertigstellung des Drehbuchs zum Film im Jahr 1998 verstarb, einen Film abzuliefern, der zum Nachdenken anregt und den geneigten Zuschauer sicherlich noch fuer einige Tage verfolgen wird. Am besten sieht man sich den Film mit ein paar Freunden an, mit denen man nach der Sichtung noch ueber die Thematik sinnieren und eigene Gedanken dazu aeußern kann.
Vielleicht nicht gerade etwas fuer religioese Menschen, aber dafuer umso mehr fuer diejenigen, die sich gerne ein paar philosophische Denkanstoeße geben lassen, um interessante Diskussionen fuehren zu koennen. Somit gibt's von mir fast die volle Punktzahl. 9.5/10



Bilder:
rajeshprabhu.net
eigene Screenshots

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