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Freitag, 22. Oktober 2010

Review: Rescue Dawn (2007)


Werner Herzog
nimmt sich mit seinem Abenteuer-Kriegsdrama „Rescue Dawn“ bereits ein zweites Mal die wahre Geschichte von Dieter Dengler, einem deutsch-stämmigen Amerikaner, an. Zuvor hatte er im Jahr 1997 die äußerst interessante Dokumentation „Little Dieter needs to fly“ (oder: „Flucht aus Laos“) realisiert.

Plot:
Der Deutsch-Amerikanische Pilot Dieter Dengler (Christian Bale) stürzt 1965 über Laos ab. Er überlebt zwar unverletzt, gerät jedoch bald in Kriegsgefangenschaft. Gequält von unmenschlichen Lebensbedingungen, plant er zusammen mit den übrigen Inhaftierten eine Flucht. Als diese schließlich gelingt, muss er feststellen, dass der Dschungel das eigentliche Gefängnis ist. Hungernd und entkräftet kämpft er mit einem der Anderen ums Überleben...


Wenn man sich bisherige Werke vom deutschen Ausnahmeregisseur ansieht könnte man vermuten „Rescue Dawn“ sei ein Film, der etwas mehr auf die breite Masse zugeschnitten ist – das mag auf den ersten Blick stimmen, aber so findet man doch reichlich Herzogsche Gewohnheiten wieder, wie beispielsweise der allgemeine Hang zum Extremen oder die unglaublichen Naturaufnahmen, die schlichtweg perfekt eingefangen wurden.

Christian Bale gibt in diesem Film wirklich eine klasse Performance ab, nicht bloß weil er, wie schon des öfteren körperlich, sehr weit geht und seine Grenzen auslotet um eine gute und authentische Darbietung abliefern zu können, sondern auch schauspielerisch. Meiner Meinung nach stellt dies eine seiner bisher besten Leistungen dar. Weiterhin ist anzumerken, dass er in diversen Szenen, in denen er widerwärtiges Krabelzeug und Ähnliches vertilgen musste, nicht allein dastand. Ein interessanter Fakt diesbezüglich ist der, dass Werner Herzog der Ansicht war, zumindest teilweise das gleiche Leid teilen zu müssen wie sein Hauptdarsteller - so hat er es sich bei den ganzen Leckereien, die Bale verdrücken musste, nicht nehmen lassen kurzerhand mit zu speisen. Er wollte damit suggerieren, dass er nicht einfach der Regisseur sein wollte, der solche abnormen Dinge fordert, aber selbst nur der Befehlende ist.

Die Nebendarsteller können hingegen auch sehr überzeugen. So stellt Jeremy Davies den fast immer neben sich bstehenden, verzweifelten und psychisch kaputten Gefangenen ausgezeichnet dar, was man ihm ebenfalls körperlich stark ansieht – er macht hier zumindest einen noch abgemagerten Eindruck als Christian Bale in „The Machinist“. Weiterhin wird von ihm die Verzweiflung und das Resignieren im Film verkörpert, so hat er nie das richtige Vertrauen und bemängelt immer diverse Aktionen. Von Bale wird hier das Gegenteil rübergebracht – die nie endende Hoffnung auf Flucht und Rettung bzw. der menschliche Überlebenswille in Extremsituationen. Steve Zahn reiht sich perfekt in das Trio ein und hinterlässt ebenfalls einen überraschend guten Eindruck. Der Rest des Casts macht seine Sache auch durchweg gut, muss aber nicht zwingend noch detailiertere Erwähnung finden.

Storytechnisch gesehen kann der Film auch komplett überzeugen. Alles wirkt, nicht nur durch die guten Darsteller, sehr authentisch. So weißt der Film keinerlei Längen auf und die Spannung bleibt einem stetig erhalten. Besonders im letzten Drittel fiebert man wirklich mit den zwei Hauptcharakteren mit.
Der Score steuert in diesem Fall einen nicht unwesentlichen Teil bei, so unterstreicht er in gewissen Momenten die aussichtslose Situation immens, wodurch noch mehr Atmosphäre aufkommt.
Gegen Ende kann man dem Film etwas an Pathos nicht wirklich negativ anrechnen, da man eben bedenken sollte, dass es sich immer noch um eine wahre Begebenheit handelt.

Visuell überzeugt der Film durch die Bank dank Herzog's Stammkameramann Peter Zeitlinger. Man kommt in den Genuss von fulminanten Landschaftsaufnahmen (gedreht wurde in Thailand) und der Eindringlichkeit des Dschungels, was für den Zuschauer beim Begleiten der Hauptakteure nur von Vorteil ist. Auf technischer Seite lässt sich erwähnen, dass Herzog bei „Rescue Dawn“ das erste Mal in seiner Karriere CGI-Effekte nutzen musste, weil bestimmte Flugzeuge der Zeit nicht mehr zur Verfügung standen und die letzten in Museen untergebracht waren – das ist aber auch das Einzige, was man im Film an CGI zu sehen bekommt, also nur ein sehr, sehr kleiner Teil.

Alles in allem erhält man hier einen ausgezeichnetes, mitreißendes Kriegsdrama, dass gut in Erinnerung bleiben wird und seinen Platz, trotz des verhältnismäßig geringen Budgets von 10 Million US-Dollar, neben den großen Werken des Genres verdient hat, wenn es auch ein eher "kleinerer" Film ist. 9/10.


Montag, 26. April 2010

Review: Battle for Haditha (2007)

Regie: Nick Broomfield | Cast: Elliot Ruiz, Jase Willette u.a.

IMDb-Link



Plot:
Al-Haditha, Irak, eine Ansiedlung ca. 250 km nordwestlich von Baghdad. Seit dem Fall von Saddam Hussein 2003 ist die Stadt zum Zentrum gewalttätiger Auseinandersetzungen mit lokalen Rebellengruppen geworden. Doch als am 19. November 2005 ein Lance Corporal bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoy der U.S. Streitkräfte getötet wird, eskaliert die Situation. Während einer brutalen Vergeltungsaktion töten aufgebrachte U.S. Marines 24 irakische Zivilisten, darunter zahlreiche Frauen und Kinder.


Ich hatte keine Erwartungen an diesen Film. Auch wusste ich nichts vom Regisseur oder den Schauspielern, wovon viele bisher nur in diesem Film mitspielten.
Ich war schon etwas verwundert ueber die Intro-Sequenz, die genauso gut aus einer x-beliebigen Dokumentation über den Irakkrieg kommen koennte.
Der Film ist als Episodenfilm zu bezeichnen, so werden hier drei Seiten gezeigt - die Amerikaner bzw. die US-Marines, die Irakischen Zivilisten und die vermeintlichen Terroristen, wenn man sie so nennen will.
In etwa die gesamten ersten 50 Minuten vermitteln dem Zuschauer die Ansichten der verschiedenen Menschen. Die Amerikaner, die aus diesem "Loch", wie es beschrieben wird, raus wollen und deren Probleme. Die Zivilisten, die einfach nur in Frieden leben wollen und in Angst vor sowohl Terroristen als auch Amerikaner leben müssen. Die Terroristen, die ihr Land bzw. die Stadt Haditha von ihren verhassten amerikanischen Besatzern befreien wollen.

Man kann in diesem Teil des Films eine ausgepraegte Bindung zu einzelnen Personen aufbauen, wobei man alle Seiten irgendwie verstehen kann - auch die "Terroristen". Es wird hier keinem ein patriotischer amerikanischer Kriegsfilm vorgesetzt, der die Amerikaner als Helden feiern will - ganz sicher nicht. Deutlich wird das, wenn die Bombe explodiert. In den Szenen, die sich danach abspielen herrscht eine unglaubliche Spannung und man ist voellig sprachlos und es bleibt einem erstmal die Spucke weg. Minder brutal geht es hier auch nicht zur Sache, vielleicht ist das auch nicht fuer jeden etwas. Permanente Action wie in Black Hawk Down sollte man hier jedoch nicht erwarten.
Im letzten Teil des Films koennen auch ein paar der weitgehend unbekannten Schauspieler stark ueberzeugen. Hier ist man hautnah dabei, wenn den Pro- bzw. Antagonisten klar wird, welches Leid sie eigentlich anrichten.
Nicht, dass sie sonst nicht ihr Talent aufweisen koennen, bloß gegen Ende zeigt sich dies besonders.
Außerdem ist hervorzuheben, dass der Film bis weilen wunderbar fotografiert ist. Besonders die Bilder aus weitem Winkel wissen sehr zu beeindrucken!

Alles in allem also ein aeußerst intensives, zum Nachdenken anregendes Kriegsdrama, der jedem zu empfehlen ist, der für die Thematik das entsprechende Interesse aufbringen kann, sich auch mit Hintergruenden vertraut machen will, nichts gegen einen etwas dokumentarisch angehauchten Stil hat und keine Daueraction erwartet. 9/10.