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Donnerstag, 29. März 2012

Review: Neverlost (2010)

Regie: Chad Archibald | Cast: Ryan Barrett, Emily Alatalo, Jennifer Polansky, Samuel Borstein u.a.
IMDb | OFDb | Moviepilot | Amazon

neverlost poster

Plot:

Das Leben von Josh Higgins ist die Hölle. Gefangen in einer lieblosen Beziehung und von einer nicht schwindenden Schlaflosigkeit geplagt, wandelt er auf dem schmalen Grat zwischen Depression und Wahnsinn. Nur die Erinnerung an Kate, seiner großen Liebe, die er vor Jahren bei einem verheerenden Hausbrand verloren hat, beschert ihm kurze Momente des Glücks. Als er eines Tages scheinbar harmlose Schlaftabletten zu sich nimmt, stellt er fest, dass in seinen Träumen ein neues Leben, ein glückliches Leben, ein Leben mit Kate auf ihn wartet. Die Grenzen zwischen Realität und Traum verschwinden und Josh fängt an für das zu kämpfen, was er vor Jahren verloren hat.


Filmkritik:

[leichte Spoiler enthalten]

Zunächst einmal hat sich, leider, bereits nach gut zehn Minuten rausgestellt, dass die deutsche Synchro nicht unbedingt zu gebrauchen ist (zu amateurhaft), weshalb ich auch zum O-Ton mit dt. Untertiteln wechselte.

Wenn man sich so den Plot durchliest und vielleicht noch zusätzlich den Trailer schaut, könnte man meinen man hätte es hier mit wirklich schwerer Kost zu tun, die gegebenenfalls noch einen guten Mindfuck für den Zuschauer bereit hält – um so größer war die Ernüchterung nach der Sichtung.

neverlost still 3

Es gab ja schon einige Filme, bei denen sich Traum und Realität oft nach und nach immer mehr vermischten und man irgendwann nicht mehr wusste, was nun Wirklichkeit ist, gibt es doch in beiden Welten genug Andeutungen dafür. Dies weiß man auch hier gut zu nutzen. Man kann sich durch verschiedene Hinweise vorstellen, dass beides wahr sein könnte. Ein Problem dabei stellt allerdings das erste Drittel des Films dar. Der Protagonist ist gebeutelt von seiner Umwelt, seiner Vergangenheit, kümmert sich nicht um seine Ehe, hat keinen Job und vegetiert somit nur noch (schlaflos) vor sich hin und ist somit nur noch ein Schatten seiner selbst.
Dadurch, dass die mysteriöse Komponente durch das Einbinden der zweiten (Traum-)Welt erst nach einer Weile geschieht, hat sich mittlerweile der Eindruck gefestigt, dass es sich bei seinem tristen Dasein zwangsläufig um die Realität handeln muss.
Der Zuschauer wird somit im weiteren Verlauf zwar noch das ein oder andere Mal verunsichert, hat sich aber eigentlich schon festgelegt, was den restlichen Film nicht mehr allzu relevant erscheinen lässt. Egal, wie viele Kniffs in beiden Welten noch eingebaut werden. Die Story hat sich somit selbst viel zu früh entschärft und den Spannungsbogen somit bereits halb zum Einbruch gebracht.

neverlost still 1

Was die Schauspieler angeht, so wird man hier höchstwahrscheinlich kein bekanntes Gesicht antreffen. Die Schauspieler sind in Ordnung. Nicht besonders gut, aber auch keinesfalls schlecht, wobei die deutsche Synchro sie sicherlich schlecht erscheinen lässt.  Der Konflikt des Hauptprotagonisten Josh wird gut dargestellt und sein Verlangen der “Realität” zu entfliehen ist durchaus nachvollziehbar.

Zu gute halten muss man dem Film außerdem, dass mit wenig Mitteln eine trotzdem noch einigermaßen interessante Story konstruiert wurde. In den düsteren Momenten wird der Film zudem von einem Score unterstützt, der geneigte Filmkenner sofort aufhorchen lässt. Nicht selten fühlt man sich oft an Clint Mansell’s genialen Score zu “Requiem for a Dream” erinnert. Die Parallelen sind unverkennbar, allerdings hat man sich nicht am, mittlerweile vielleicht schon verbrauchten, “Lux Aeterna” bedient, sondern eher an die elektronisch angehauchten Töne. Schlecht fand ich das nicht, passte eigentlich ganz gut, auch wenn man behaupten kann, dass es ziemlich abgekupfert wurde.

neverlost still 2

Zum Schluss versucht man eine Art offenes Ende zu erzeugen, bei dem man selbst entscheiden soll, was nun Traum und Realität ist. Leider war das, zumindest in meinem Fall, relativ früh klar und durch die vielen Verflechtungen zwischen den Welten, machte sich langsam der Eindruck breit, dass man hier zu viel wollte. Einige mögen hier vielleicht noch Einiges hineininterpretieren, was ja schön und gut ist, für mich in diesem Fall aber nicht angebracht. 
Idee gut, Umsetzung okay, aber etwas verschenktes Potenzial. Kann man sich mal angucken, verpassen würde man allerdings auch nichts. Bloß nicht zu viel in Richtung “The Machinist” erwarten, das ist ein ganz anderes Kaliber. 6/10

 

Zur Blu-Ray Veröffentlichung von ION New Media:

Bild und Ton sind gut, auch wenn ich die deutsche Synchronfassung eher als misslungen betrachte. Extras gibt es keine, bis auf die Trailershow. Der Film kommt im üblichen Amaray mit Wendecover daher. Die im Internet oft gesehene 18er Plakette, wie sie auch bei Amazon zu sehen ist, war nur ein Vorabdruck des Vertriebs, da man nicht mit einer ungeschnittenen FSK 16 gerechnet hatte, sie aber letztlich doch erhielt.
In der Störkanal-Reihe gab es schon bessere, aber auch schlechtere Filme. Demnächst erscheint übrigens auch “Bellflower” in der Reihe, welcher meinen Film des Jahres 2011 darstellt.


"Neverlost" jetzt auf Blu-Ray oder DVD bei amazon.de kaufen.

 

Donnerstag, 23. Februar 2012

Film- / Serienreview: "Sherlock - Eine Legende kehrt zurück" Staffel 1

Creator(s): Mark Gatiss, Steven Moffat | Cast: Benedict Cumberbatch, Martin Freeman
IMDb | OFDb | Moviepilot | Amazon

Sherlock staffel 1 poster blu-ray front cover

 

 Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) meldet sich zurück und ist jünger und energetischer denn je! In der ebenso originellen wie spannenden Neuauflage des klassischen Stoffes nach Sir Arthur Conan Doyle begibt sich Holmes mit Smartphone und Notebook bewaffnet auf große Verbrecherjagd im London des 21. Jahrhunderts. Unterstützung erfährt er in Dr. John H. Watson (Martin Freeman, „Hot Fuzz“), einem posttraumatisierten Kriegsveteranen, der Holmes bei dessen Ermittlungen nicht von der Seite weicht.

 

Mit der britischen Serie “Sherlock” hat man mit etwas Altem mal etwas angenehm Frisches geschaffen. Der weltbekannte Detektiv und sein Kollege Watson machen eine Zeitreise ins 21. Jahrhundert – dabei werden viele bekannte Gepflogenheiten, die man von den Charakteren bereits kennt, ebenfalls ins Hier und Jetzt transportiert. Sherlock Holmes raucht keine Pfeife, er benutzt Nikotinpflaster. Watson schreibt statt eines Tagebuchs einen Blog. Das kommt schon ganz amüsant rüber, wenn man das so sieht.

Den von Robert Downey Jr. verkörperten Sherlock kann Benedict Cumberbatch (“Dame König As Spion”, “Gefährten”) mit seiner Leistung in der Serie locker in die Tasche stecken. Er ist sarkastischer, scharfsinniger, witziger, ohne ins Alberne abzudriften und hält sich, trotz des Zeitsprungs, näher an Arthur Conan Doyle’s ursprünglichem Holmes. Die Analysen des Meisters suchen seinesgleichen und begeistern jedes Mal wieder aufs Neue und lassen den Zuschauer oft vor lauter Staunen letztlich nur noch mit einem Schmunzeln zurück.

sherlock und watson - serie
So, wie man die Rolle in der Serie zu sehen bekommt, kann man dazu neigen einen Vergleich zu Hugh Laurie’s Dr. House zu ziehen, was nicht völlig abwegig ist, so haben beide einen ausgeprägten Hang zum Sarkasmus, halten sich für äußerst intelligent (was, ja nicht abwegig ist) und werden von dem Zwang verfolgt alles und jeden zu analysieren und sämtliche Fälle, mit denen sie in Kontakt treten zu lösen. Anders als der verbitterte Arzt, ist der Meisterdetektiv hier hingegen kein Mensch, der alles und jeden hasst oder zumindest so tut als ob. 

Martin Freeman, der angehende Bilbo Beutlin (“Der Hobbit”), spielt Dr. Watson, den ewigen Kumpanen Sherlocks. Man tat gut daran, John Watson eine gebührende Einleitung zu geben und dort anzusetzen, wo Sherlock und Watson noch keine Partner sind, sondern sich erst noch kennenlernen. Watson ist zwar Arzt, jedoch ein Kriegsarzt, der traumatisiert aus Afghanistan zurückkehrt und an seinen traumatischen Erlebnissen zu nagen hat.
Jedoch bleibt dafür nicht allzu viel Zeit, nachdem er Sherlock Holmes kennengelernt hat und erkennt, dass er eben genau diesen aufregenden und gefährlichen Teil seines Lebens zu vermissen scheint. Die Freundschaft der beiden wird von einigen Running-Gags dominiert und man entwickelt ungemeine Sympathien für die beiden Freunde. Dr. John Watson stellt dabei den Identifikationscharakter dar, wesentlich geerdeter als sein Partner, während dieser den Begeisternden Part vollkommen einnimmt. Hier wird sich nicht großartig in den Vordergrund gespielt, wobei die Titelrolle natürlich ein klein wenig mehr Platz einnimmt. Mit einem geschätzten 55:45 Verhältnis ist das allerdings als relativ ausgewogen zu betrachten.

sherlock ermittlungen echtzeitDie Inszenierung geht zuweilen locker über das typische Serienniveau hinaus und könnte auch als Filmproduktion durchgehen. Ebenfalls wartet die Serie mit dem ein oder anderen weiteren originellen Kniff auf. Man sieht beispielsweise häufig “Live-Texteinblendungen”, um dem Zuschauer zu zeigen, was jemand beispielsweise gerade mit seinem Smartphone macht oder eben auch die über den Bildschirm wuselnden Gedankengänge Holmes’. Das ist insofern als positiv zu werten, da man als Außenstehender dadurch besser mit in die Handlung einbezogen wird und anfängt mitzurätseln, da Holmes oft nicht gleich seine längst gezogenen Schlüsse preisgibt. Die Spannung bleibt somit oft bis zum Schluss erhalten, auch wenn man vielleicht schon Teilschlüsse ziehen konnte, so wartet nicht selten immer noch eine Überraschung auf den Zuschauer.

Es ist unglaublich wie schnell man sich daran gewöhnt, dass das Geschehen im heutigen Zeitgeschehen - mit Computern, dem Internet, Smartphones uvm - stattfindet. Bereits ab dem zweiten Film bzw. der zweiten Episode oder viel mehr spätestens dann erachtet man dies für selbstverständlich, was wohl auf die hervorragenden Drehbuchautoren, die erstklassige Inszenierung, die beiden wunderbaren Hauptdarsteller und ihre durchweg guten Nebendarsteller zurückzuführen ist. Der Transfer ist gelungen, die Zeitreise ist geglückt. “Sherlock” ist ein voller Erfolg – bitte noch viel mehr davon!

 

Episoden im Überblick:

Ein Fall von Pink (OT: A Study in Pink), Regie: Paul McGuigan8/10

Der blinde Banker (OT: The Blind Banker), Regie: Euros Lyn8/10

Das Große Spiel (OT: The Great Game), Regie: Paul McGuigan9/10

 

Zur Blu-Ray Veroeffentlichung von Polyband:

Die Blu-Ray kommt als Amaray verpackt in einem Pappschuber daher – leider beides mit einem dicken, nicht ablösbaren Flatschen behaftet.

Bild: Was die optischen Werte betrifft, so weiß das Bild durch eine überaus gute Schärfe und Kantenzeichnung zu punkten. Der Schwarzwert ist ebenfalls sehr gut, während die Farben etwas schwächer wirken, kraftlos. Dies scheint allerdings durchaus gewollt zu sein. Ansonsten tritt in manchen dunkleren Szenen gelegentlich etwas Filmkorn auf und gelegentlich macht sich eine gewisse Weichzeichnung breit, wobei ich nicht sagen kann ob das gewollt ist oder nicht. Serientypisch kommt das Format im Vollbild daher (1,78:1). 8/10

Ton: Vorhanden ist die englische Originaltonspur und die deutsche Synchronfassung – beides in DTS HD 5.1. Erquickenden Surroundsound braucht man hier nicht erwarten, da es sich eben um eine Serie handelt und dies meist der Fall ist. Sprachwiedergabe, Musik und sonstige Geräuschkulissen sind gut verständlich und klingen ordentlich. 7/10

Extras: Neben dem ausführlichen Booklet findet sich auf den Discs der ursprüngliche Pilotfilm der Serie, der knapp eine Stunde Laufzeit beträgt, jedoch nur im Originalton vorhanden ist. Weiterhin gibt es zwei Audiokommentare und ein Making-Of (30 min), welches leider ebenfalls nur auf Englisch vorliegt. 7/10

 

"Sherlock - Staffel 1" jetzt bei amazon.de auf Blu-Ray oder DVD kaufen.

Bilder:
polyband.de
f.a.z. fernsehblog

Dienstag, 14. Februar 2012

Review: Wildes Japan (2010)

Regie: Thoralf Grospitz, Jens Westphalen
IMDb | OFDb | Moviepilot | Amazon



Plot:

Mit opulenten Bildern in HD Qualität porträtiert die zweiteilige Naturdokumentation das Kaiserreich mit seinen atemberaubenden Landschaften und seltenen Tieren. Dabei entstanden einzigartige Aufnahmen von teilweise noch nie gefilmtem Verhalten. Eine spektakuläre Reise in das "Wilde Japan".
Ein Inselreich voller Gegensätze. Megastädte wie Tokio auf der einen und abgelegene Bergtäler mit fremd wirkenden Traditionen auf der anderen Seite. Selten sind die Unterschiede innerhalb eines Landes so groß wie in Japan.

Teil 1: Schneeaffen und Vulkane
Teil 2: Tropenstrand und Bärenland


Filmkritik:

Japan - das Land der aufgehenden Sonne. Gerade im vergangenen Jahr traf das vielleicht nicht mehr ganz so zu, wenn man Stichworte wie Fukushima, Kernschmelze, Erdbeben oder Tsunami ins Gedaechtnis zurueckruft. Darum soll es aber keinesfalls gehen, denn abseits davon und bspw. des groeßten Ballungsraums Tokio (hier leben ca. 35 Millionen Menschen, knapp 30% der Einwohner Japans), hat Japan auch eine sagenhafte und vielseitige Flora und Fauna vorzuweisen, die vielen noch gaenzlich unbekannt ist.
Bei dieser deutschen Produktion, die uebrigens fuer einen Emmy nominiert war, handelt es sich um eine klassische Dokumentation mit einem Erzaehler, der viel Infomationen fuer den Zuschauer bietet. Besonders gefreut hat mich, dass es sich bei dem Erzaehler um keinen geringeren als Christian "The Voice" Brückner handelt. Fuer den unbekannten Hund: Der Herr ist der Synchronsprecher von Schauspielgroeßen wie Robert De Niro, Martin Sheen, Harvey Keitel oder Peter Fonda. Aehnlich wie bei Werner Herzog, hoert man hier besonders gerne zu.

Die Doku befasst sich mit verschiedenen Abschnitten Japans und es wird erklaert, um welche Hauptinseln es sich handelt: das winterliche Hokkaidō im Norden, die zentrale Hauptinsel Honshū, die suedlich gelegenen Inseln Shikoku und Kyūshū bis hin zum subtropischen Okinawa.
Junger Japanmakak (Schneeaffe) in Hokkaidō 
Die Hauptbestandteile beziehen sich allerdings auf Hokkaidō und den suedlicheren Gefilden, v.a. Okinawa. Sowohl im Norden als auch im Sueden spielen die Japan-Makaken, auch bekannt als Schneeaffen, eine tragende Rolle und wissen den Zuschauer gleichermaßen zu amuesieren und zu faszinieren, wenn diese z.B. eine Schneeballschlacht veranstalten oder sich ein angenehmes Thermal-Bad goennen. Dazugemengt werden stets einige Fakten des Erzaehlers, die das Ganze noch etwas interessanter machen und auch ausschmuecken koennen. 
Daneben wird auch anderen Tierarten reichlich Spielraum geboten: Man kann Riesenseeadlern oder auch Braunbaeren beim taeglichen Fischfang bestaunen; dem Riesen-Salamander, der noch aus der Urzeit stammt, bei der Jagd beobachten oder auch einer beinah ausgerotteten Eulenart bei der naechtlichen Jagd bewundern. Dazu gesellen sich noch etliche weitere unterschiedliche Arten der Tierwelt, die durch ihr teilweise skurriles Auftreten dem Zuschauer imponieren koennen und somit gelegentlich fuer einen Schmunzler sorgen.
All dies kann man durch wundervolle Aufnahmen bewundern, was besonders in HD ein Fest fuer die Augen ist und einfach Spaß macht. Da bleibt einem das ein oder andere Mal die Kinnlade offen stehen.

Auf der anderen Seite hat man natuerlich noch die beeindruckenden Vulkane, die teilweise noch sehr aktiv sind - bis auf den Fuji, der mit 3776m gleichzeitig der hoechste Berg Japans ist und ebenfalls eines der Wahrzeichen des Landes darstellt. 
Es wird allerdings auch auf andere Wahrzeichen eingegangen - so z.B. auf die Kirschblueten, die fuer Japaner eine besondere Bedeutung haben. Mit diesem Aspekt geht man in der Dokumentation auch teilweise auf die menschliche Bevoelkerung ein. Zwar nur zu kleinen Teilen und nicht gleichermaßen ausfuehrlich wie beispielsweise in der Dokumentation "Wildes China", jedoch ist der Ausgleich durchaus stimmig.

Traditioneller Reisanbau in Japan
Bei der Erzaehlstruktur treten gelgentlich ein paar Probleme auf, da man als Zuschauer nicht immer gleich mitbekommt, wo man sich denn gerade eigentlich befindet, da die Orte des Oefteren sprunghaft gewechselt werden. Hier haette eine schlichte Texteinblendung oder dergleichen sicherlich Abhilfe schaffen koennen.
Weiterhin besteht kein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen den winterlichen Aufnahmen und den Aufnahmen in den tropischen Gebieten. Letztere kommen leider etwas kuerzer, was einen kleinen Wermutstropfen darstellt.

Letzten Endes macht "Wildes Japan" definitiv Lust auf mehr, weshalb es etwas schade ist, dass die zwei Episoden zusammen nur eine recht knappe Laufzeit von nur ~90 Minuten umfassen. Dafuer bekommt man in dieser Zeit aber auch hoechste Qualitaet geboten - tolle Bilder gespickt mit interessanten Hintergrundinformationen, die einem hoechstwahrscheinlich noch unbekannt waren. Ein Einblick in die japanische Naturwelt, der sich mit Sicherheit lohnt, vor allem fuer Fans von Naturdokus. 8/10


Zur Blu-Ray Veroeffentlichung von Polyband:

Die Blu-Ray kommt in einem netten Digipak daher, was leider etwas durch den nicht abloesbaren FSK-Flatschen entstellt wird - anonsten aber ansehnlich.

Bild: Eine Augenweide. Mehr braucht man dazu (fast) nicht mehr sagen. In sehr wenigen Szenen tritt teilweise minimales Bildrauschen auf, was aber nicht von besonderer Bedeutung ist. Die Schaerfe ist absolut ueberzeugend, besonders kommt das bei den Nahaufnahmen der Tiere zur Geltung, wenn man sogar die einzelnen Haare erkennen kann. Dass bei den Nachtaufnahmen keine aehnlich geniale Qualitaet erreicht werden konnte, sollte klar sein, weshalb das gelegentlich auftretende Rauschen an dieser Stelle nicht sonderlich ins Gewicht fallen soll. 9/10

Ton: Es gibt nur eine deutsche Tonspur im DTS-HD 5.1 Format. Andere Tonspuren gibt es vermutlich nicht, da es sich ohnehin um eine deutsche Produktion handelt. Untertitel sind ebenfalls keine vorhanden, was aber eigentlich nicht stoeren sollte. 
Die Musik kommt schoen klangvoll rueber und Christian Brückner's Stimme ist ebenso klar verstaendlich. Die Soundkulisse in den Waeldern bietet ebenfalls einige gute Eindruecke. Alles in allem ein recht guter Ton. 8/10

Extras: Leider nur eine Trailershow, schade. 1/10


Dienstag, 7. Februar 2012

Review: Dead Space: Aftermath (2011)

Regie: Mike Disa | Cast: Christopher Judge ,Ricardo Chavira, Curt Cornelius u.a.



Plot:
Eine Spezialeinheit von Space Marines rettet die überlebenden Crew-Mitglieder der USG O'Bannon. 
Die Crew der USG O'Bannon erhielt den Auftrag, den Kommunikationsabbruch zu dem Bergbau-Raumschiff USG Ishimura zu untersuchen, welches sich im Orbit des Planeten Aegis VII befand. Was als eine Routinemission begann, entpuppte sich als wahrer Höllentrip. Die Crew der USG O'Bannon stieß auf eine dunkle Macht, die unbarmherzig jede Hoffnung auf ein Überleben zunichtemacht.
 Die Verhörspezialisten der Marines versuchen nun durch die Überlebenden der O'Bannon die genauen Einzelheiten über die grausamen Vorkommnisse auf Aegis VII zu erfahren...


Filmkritik:
[kann leichte Spoiler beinhalten]
Im Voraus sollte erwaehnt werden, dass ich die Spiele nicht gespielt habe. Den ersten Teil habe ich nur mal angezockt, aber auf mehr als 40 Minuten Spielzeit bin ich wohl nicht gekommen, was aber mehr am Zeitmangel lag und nicht an der (sehr hohen) Qualitaet des Spiels.


Gut, die bisherigen Filme "Dead Space: Downfall" und juengst "Dead Space: Aftermath" sollten sowohl Spieler der Versoftungen als auch Neulingen zugaenglich sein. Inwiefern der geneigte Zuschauer das unterschreiben kann, muss er wohl fuer sich entscheiden.
Ich zumindest kam gut mit dem Plot klar und hatte keinerlei Einstiegsschwierigkeiten, da mir die Grundprämisse des "Dead Space"-Universum einigermaßen vertraut war. So viel dazu also.


Gleich in den ersten zwei Minuten wird einem einer der unglaublichen Schwachpunkte des Films eindringlich praesentiert. Die am Computer entstandenen Animationen, wenn man sie so schimpfen kann, sind leider dermaßen schlecht, dass man glatt vermuten koennte, man wuerde erste Konzepte / Modelle eines Space-Shooters aus dem Jahr 2002 sehen. Es kommt einem wahrlich so vor als wuerde man hier nur die "Models" ohne Texturen sehen, so verhaelt es sich zumindest bei den Raumschiffen - diese grauen, eckigen Kloetze.
Die einzelnen Individuen sind aehnlich jaemmerlich animiert - bewegen sich also hoelzern und weisen beinahe keinerlei Mimik auf.
Gott sei Dank ziehen sich diese optischen "Schauwerte" nicht durch den ganzen Film, so beziehen sich die Computergenerierten Animationen lediglich auf cirka 30-40%. Der Rest ist im normalen Zeichentrick- bzw Animestil gehalten. Zwar koennten diese gelegentlich durchaus detailreicher sein, aber das Niveau bewegt sich auf einem ordentlichen Level. Uebrigens ist es mitunter als laecherlich zu betrachten, dass sich die 3d-animierten Protagonisten optisch teilweise drastisch von ihren Zeichentrick-Ebenbildern unterscheiden. Das kann man auch nicht durch die verschiedenen 2d-Animationsstile begruenden - hier wurde einfach schludrig gearbeitet.
Die Gore-Effekte, wovon es in typischer Dead Space-Manier mal wieder reichlich gibt, wissen zu ueberzeugen, auch wenn man im Vorgaenger-Film noch etwas haerter zur Sache ging. Man rechnete beim Vertrieb wohl auch mit einer 18er-Freigabe, jedoch wurde Aftermath ungeschnitten ab 16 freigegeben.


Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf die Figuren. Teilweise sind diese so nervig, dass man sich wuenscht, dass sie endlich sterben, damit das Gelaber, Gejammere oder was auch immer endlich ein Ende hat. Das fuehrt natuerlich dazu, dass man nie mit den Protagonisten mitfiebert und es lediglich nur noch darum geht den Film ueber sich ergehen zu lassen, waehrend es zwischendurch noch ein paar nette Splattereinlagen zu sehen gibt, die allerdings auch nicht lange haengen bleiben. 
Die Atmosphaere der Spiele wird nichtmal ansatzweise erreicht, das konnte selbst ich, der wie eingangs erwaehnt nur kurz mit dem ersten Teil zu tun hatte, feststellen. Von "Horror" fehlt hier auch jede Spur, wenn man die Metzelszenen einmal außen vorlaesst, da diese ja noch keinen Horror an sich ausmachen.

Die Erzaehlweise schließt sich uebrigens aus Rueckblenden der Ueberlebenden zusammen. Diese formen, mehr oder weniger, ein großes Gefuege, was nach und nach eine Verbingung mit der gegenwaertigen Handlung knuepft um dort zu gipfeln und so die Einleitung fuer den zweiten Teil der Videospielreihe darzustellen - mehr oder weniger wiedermal. Die Geschichte duempelt dann eben so vor sich hin, absolut uninteressant und wenig unterhaltend.

Mit einem absolut unnoetigen Cel-Shading-artigen 3D-Look, einer verkorksten Story und unsympathischen, gar nervigen Charakteren bleibt "Dead Space: Aftermath" ein Aergernis, dass nur durch die teils netten 2d-Animationen und die damit verknuepften Splatter-Einlagen punkten kann. 4/10


Zur Blu-Ray Veroeffentlichung von I-On New Media und Animaze:

Die Blu-Ray kommt in einem typischen Amaray mit Wendecover daher. Das Bild ist gut, wenngleich dies etwas durch die im Film schwachen Animationen etwas getruebt wird. Was den Ton anbelangt, so gibt es eine deutsche und englische Tonspur, welche jeweils DTS HD 5.1 codiert sind und ebenfalls ueberzeugen koennen, auch wenn man sich hier etwas bedrohlichere Klaenge gewuenscht haette. An Extras gibt es nur eine Trailershow, weiter nichts.




Bilder:
rzmovies.ch
eigene Screenshots 

Mittwoch, 1. Februar 2012

Review: Dark Planet - The Inhabited Island (2008) / Rebellion (2009)


ImageBanana - darkplanetinhabitedislandrebellionpo.png


Plot:
2157 auf Saraksh, dem sternenlosen Planeten: die Bewohner leiden unter den verheerenden Folgen eines jahrelang andauernden Atomkriegs. Der Frieden ist alles andere als stabil und fünf unbekannte brutale Herrscher regieren den Planeten. Als der junge Maxim Kammerer das Weltall auf der Suche nach fremden Zivilisationen durchstreift, macht er eine Bruchlandung auf dem von Terror und Krieg zerstörten Saraksh…



Filmkritik:
[kann leichte Spoiler beinhalten]

Vorweg: Natuerlich wird hier die Originalfassung, bestehend aus zwei Teilen, bewertet, da die internationale Fassung tatsaechlich von urspruenglich insgesamt 228 Minuten auf mickrige 120 Minuten (!) komprimiert wurde. Differenzieren werde ich jetzt nicht zwischen den beiden Teilen oder den Fassungen.

Maxim bei seiner Lieblingsbeschaeftigung:
Bloed gucken & grinsen

Was fast jeder an diesem Film bemaengelt, ist, voellig zurecht, der Hauptdarsteller. Beinahe dauergrinsend laeuft er von Szene zu Szene.  
Gunnery Sgt. Hartman (R. Lee Ermey) aus "Full Metal Jacket" waere verbluefft, dass es noch schlimmer geht als bei seinem emehaligen Untergebenen Private Paula (Vincent D'Onofrio) - er haette dem jungen Russen ordentlich Beine gemacht und ihm sein Grinsen mit Sicherheit aus seiner Sunnyboy-Visage gewischt...
Ernst nehmen kann man Vasiliy Stepanov, der uebrigens nur mehr oder weniger durch Zufall zur Profession des Schauspielens kam, wirklich zu keinem Zeitpunkt. Damit sollte man sich so schnell wie moeglich abfinden.
Nach gut 15 Minuten Laufzeit hat man den Film schon fast abgehackt, bis die optischen Schauwerte durchkommen und wirklich eine beeindruckende futuristische und gleichermaßen heruntergekommene Stadtmetropole praesentieren. Nicht nur hier bekommt der Zuschauer wunderschoene Aufnahmen serviert, auch gibt es atemberaubende Naturaufnahmen, die einen nicht schlecht staunen lassen. Das Drumherum bzw. das Setting ist also groeßtenteils durchaus als gelungen zu bezeichnen, auch wenn manche Szenerien wiederum zu sehr durch schwaechere CGI-Technik gezeichnet sind (bspw.: Windpark, Luftschiff).


Abseits des talentfreien Hauptprotagonisten sollte man fairerweise erwaehnen, dass der restliche Cast durchaus zu ueberzeugen weiß und seine Momente hat. Großartige Leistungen lassen sich trotzdem keine finden, eher noch gelegentliches Overacting bei dem zweiten Hauptdarsteller, aber naja... wenigstens geht die deutsche Synchronisation in Ordnung, auch wenn staendig, wirklich in jedem dritten Satz, das Wort "Massaraksh!" faellt. Untertitel bzw. eine deutsche Uebersetzung gibt es dafuer offenbar keine.
Nach kurzer Recherche fand ich folgendes heraus: Es handelt sich offenbar um eine Eigenkreation der Autoren der Romanvorlage und es bedeutet in etwa "The World is inside out!". Es kann sowohl positiv als auch negativ konotiert sein. Im Groben also: "F*ck!" oder eben auch "F*ck, yeah!"... glaube ich.

Was die Story und die Erzaehlweise betrifft ist das auch wieder so eine Sache. Das Konzept ist auf jedenfall interessant und bietet sicher so Einiges, aber im Film wird das teilweise durch sehr holprige Dialoge, den schlechten Hauptdarsteller und der teilweise abgehackt wirkenden Erzaehlweise eindeutig geschmaelert.

Ein Beispiel (unwichtiger Spoiler):

Mak Sim, Maksim oder auch Maxim, darf man sich hier aussuchen, kommt in den Knast und unterhaelt sich mit zwei Verbuendeten ueber nichts Besonderes - Szenenwechsel zu irgendeinem Nebenplot - Szenenwechsel zurueck zu unserem Helden. Maxim ist urploetzlich mit seinen zwei Buddys ausgebrochen, wovon vorher nichtmal ansatzweise die Rede war. Verfolgt werden sie auch nicht. Sie kaempfen sich einfach nur ein wenig durch Waelder und Oedland. Wie sie dahin gelangt sind, weiß kein Mensch. Ein Ausbruch oder dergleichen wird auch nicht erwaehnt. Alles klar.
Davon gibt es dann oefter noch einige Momente, die den Zuschauer aehnlich verdutzt zuruecklassen.

Die Action kann dafuer aber zeitweise ganz gut ueberzeugen, wobei die Effekte mal richtig gut sind, dann aber auch mal wieder auf TV-Niveau, was doch recht schade ist, da man ja auch sieht, dass es besser geht. Vielleicht hat das Budget nicht ganz gereicht. Too bad. Abwechslung ist allerdings reichlich geboten. Action im Outback, in Waeldern oder auch in der Stadt gestalten das Ganze noch ganz interessant.


Das ist auch der Grund, weshalb trotz der ganzen Kritik, tatsaechlich keine Langeweile aufkam. Man kann sich diesen "huebschen Trash" ganz gut anschauen, obwohl die Laufzeit mit fast vier Stunden natuerlich enorm ist, wobei gerade im letzten Akt schon einige Subplots angerissen werden, dann aber irgendwie einfach links liegen gelassen werden. Kommt einem auch irgendwie spanisch vor.
Das Ende laesst einen ziemlich kalt, da nuetzt auch der letzte Twist nichts mehr, was aber am bereits angesprochenen Problem des Hauptakteurs liegt und man somit nicht ausreichend mitfiebert.

Was bleibt ist ein Film mit wirklich netten Aufnahmen, einer schicken Zukunftsmetropole und teilweise guten Effekten, aber eben auch viele Plotholes, daemliche Dialoge und einem hassenswerten Hauptdarsteller, der zudem noch aussieht wie ein Moechtegern-Anakin Skywalker. Auch wenn man sich jetzt sicher eine niedrigere Wertung vorgestellt haette: Mit viel gutem Willen noch 4.5/10.



Zur Blu-Ray Veroeffentlichung von Capelight:

Der Film kommt in einem aeußerlich sehr stabilen Jumbo-Steelbook (ohne FSK-Logo) daher, welches optisch auch einen netten Eindruck macht. Die innere Verarbeitung laesst leider etwas zu wuenschen uebrig. Alles etwas wackelig, nur aus billigem Plastik und keinerlei Artwork / Inlay oder dergleichen.

Bild: Meine Guete, hier hat Capelight aber was abgeliefert! Im positiven Sinne natuerlich. Bis auf verinzeltes Rauschen in den ersten Minuten ist das Bild nahezu tadellos. Eine klasse Schaerfe, die man sich bei einigen anderen Filmen nur wuenschen kann. 9.5/10

Ton: Auch hier ueberzeugt die Blu-Ray auf ganzer Linie und braucht sich keinesfalls verstecken. Der DTS-HD 7.1 Master reizt das System voll aus und es kommt ein tolles Raumgefuehl in passenden Szenen auf. Sprachen: Deutsch und Russisch, wobei letztere Spur nur im DTS-HD 5.1 Master vorhanden ist. Deutsche Untertitel sind ebenfalls vorhanden. 9/10

Extras: Es ist eine Bonus-DVD vorhanden, auf der sich eine Dokumentation ueber den Film befindet. Mit einer Laufzeit von ca. 47 Minuten wird nochmal ein ausfuehrlicher Einblick in die Dreharbeiten geboten. Zwischendurch werden immer wieder Darsteller und Crew interviewt. Wer also Interesse daran hat, so ist die Doku sicher einen Blick wert. 7/10




Bilder:
Eigene Screenshots

Samstag, 28. Januar 2012

Review: Attack the Block (2011)

ImageBanana - retroposterattacktheblock.jpg

Plot:
Auf dem Nachhauseweg wird die angehende Krankenschwester Sam in einem Viertel in Süd-London mitten auf einer einsamen Straße von einer Gang maskierter Jugendlicher umstellt. Gewalt liegt in der Luft - und explodiert doch ganz anders als erwartet: Ein Meteorit schlägt direkt neben den Kids in einem Auto ein. Während Sam fliehen kann, wird die völlig überraschte Gang von einem blutrünstigen Alien attackiert. Mit vereinten Kräften können die Kids zurückschlagen und den außerirdischen Angreifer zur Strecke bringen. Doch zum Triumphieren bleibt keine Zeit, denn ein regelrechter Meteoritenhagel über London kündigt an, dass die Invasion jetzt erst richtig beginnt ...


Filmkritik:
[kann leichte Spoiler beinhalten]

Joe Cornish - Den Mann kannte man vor "Attack the Block" nicht wirklich. Als Zombie wurde er mal vor acht Jahren in "Shaun of the Dead" erschossen und in "Hot Fuzz" hatte er eine kleine Nebenrolle inne. Vielleicht sieht man ihn auch noch im letzten Teil der sogenannten "Blood & Ice Cram Trilogy". Vorher gibts aber seinen ersten Spielfilm, der eine aehnliche Gangart wie die beiden zuvor genannten Filme pflegt. 
Man sollte aber vorsichtig sein, denn die Qualitaet der Filme von Edgar Wright erreicht Cornish nur sehr selten, was den Eindruck aber nicht sonderlich schmaelern soll, denn wenn man die Erwartungen schlichtweg ein wenig zurueckschraubt, unterhaelt "Attack the Block" immer noch sehr.

Was bei einer britischen Komoedie, wie dieser oft besonders wichtig ist, ist der Original-Ton. Die deutschen Sprecher an sich sind in Ordnung, aber der Ghetto-Slang wirkt gelegentlich zu kuenstlich und man merkt, dass die Witze auf Englisch besser rueberkommen wuerden, weshalb man auch unbedingt auf die englische Fassung zurueckgreifen sollte - deutsche Untertitel sind bei den Heimkino-Veroeffentlichungen jedenfalls dabei.

Dass der Film mit einem ca. 13 Millionen US-Dollar verhaeltnismaeßig gering dotiertem Budget aufwartet, faellt nur selten auf, denn die optischen Schauwerte wissen durchaus zu ueberzeugen. Die haarigen Aliens, im Film auch bezeichnet als "Wolf-Gorilla-Motherfucker-Aliens", bieten natuerlich nicht gerade die gleiche Faszination wie ein "Predator" oder eben ein "Alien" aus der gleichnamigen Filmreihe, auch wenn sich hier eine kleine Huldigung findet, aber man gewoehnt sich an die Biester mit ihren leuchtenden Beißern, wenngleich etwas Abwechslung nicht geschadet haette. Zumindest sorgen diese des Oefteren fuer den ein oder anderen Moment, indem auch mal Gore zum Einsatz kommt und etwas Blut spritzt, wovon es aber noch mehr haette geben koennen. Hier war man nicht konsequent genug.

Die fast allesamt jugendlichen Darsteller machen zusammen einen soliden Eindruck, sorgen hier und da fuer ein paar Lacher und man fiebert in Actionsequenzen mit ihnen mit, wird aber auch nicht sonderlich mitgerissen, wenn es mal einen erwischt - es ist einem egal. Daneben hat Nick Frost ("Shaun of the Dead", "Paul - Ein Alien auf der Flucht", "Hot Fuzz") eine Nebenrolle als dauerbreiter Kiffer, der, wie gewohnt, durch seine lockere Art einen großen Anteil an Sympathie einheimsen kann. Er sorgt ebenfalls fuer einige amuesante Einlagen, die es von den anderen Akteuren auch ruhig oefter geben koennte. Der Humor bleibt an manchen Punkten etwas auf der Strecke, was etwas schade ist, da man im Voraus einen Film erwartet, der in den gleichen Gefilden unterwegs ist, wie die bereits eingangs erwaehnten beiden Hochkaraeter und somit durch mehr schwarzen Humor punktet.
Dafuer geht es jedoch immer zur Sache und der Film legt ein unglaubliches Tempo an den Tag, sodass die Laufzeit von nichteinmal 90 Minuten wie im Flug vergeht. Verfolgungsjagden, Schießereien und Kaempfe auf engstem Raum lassen dem Zuschauer keine Zeit zum Luftholen und machen einfach irre viel Spaß. 
Gluecklicherweise wurde kein romantischer Subplot oder dergleichen eingebaut, der den Film nur unnoetig ausbremsen wuerde. Man hat sich hier einfach auf das Wesentliche konzentriert: in kurzer Zeit moeglichst viel Spaß haben. 
Dass es sich bei den Jugendlichen eigentlich um Kriminelle aus dem Ghetto handelt wird nicht weiter thematisiert - auch nicht, dass diese letztendlich zu Helden werden. Wieso sollte man auch diesen spaßigen Ritt mit Sozialkritik verderben? Es handelt sich schließlich nicht um einen anspruchsvollen Film, der eine besondere Botschaft vermitteln moechte - da kann man sich vielleicht lieber "Harry Brown" mit Michael Caine anschauen.


"Attack the Block" ist neben anderen Filmen, die in letzter Zeit fremde Spezies auf den Planeten Erde losließen, etwa "Cowboys & Aliens" oder "Battle Los Angeles" eindeutig die beste Wahl. Da konnte das hohe Budget der Hollywood-Produktionen und die Starpower auch nicht ueber diesen Fakt hinwegtaeuschen. Joe Cornish ist somit ein extrem kurzweiliger, sehr spaßiger Film gelungen, der in einer geselligen Runde, wo das Bier nicht fehlen sollte, ordentlich Laune macht! 7/10



Zur Blu-Ray Veroeffentlichung von Capelight:
Amaray mit Wendecover

Bild: Fast durchweg ein sehr gutes und scharfes Bild. Der Schwarzwert ist ebenfalls die meiste Zeit ueber sehr gut, nur manchmal etwas blass und ein wenig zu hell. Gelgentlich nimmt die Schaerfe kurz etwas ab, sodass nicht durchweg HD-Feeling garantiert ist, aber im Großen und Ganzen geht das Bild mehr als in Ordnung. Format: 2,35:1 / 1080p. 8/10

Ton: Ton liegt sowohl im englischen (DTS-HD Master 5.1) als auch im deutschen (DTS-HD Master 7.1) vor. Schade, dass die der englische Ton nicht auch in 7.1 vorliegt, wo sich dieser Film im Original so anbietet. Bei beiden Varianten geht der Ton auch hier mehr als in Ordnung, Klaenge sind klar und Baesse kommen ebenfalls wuchtig rueber. 9/10

Extras: Hier gibts auch massig zu sehen und zu hoeren. Drei Audiokommentare und fuenf verschiedene Featurettes: Behind the Block, Creature Feature, Meet the Gang, It's a Rap, Unfilmed Action. Dazu natuerlich die obligatorische Trailershow. Gibt also noch viel nach dem Film zu sichten. 7.5/10



Bilder:

Samstag, 26. November 2011

Review: The Machinist (2004)




Plot:
Der seit einem Jahr an akuter Schlaflosigkeit leidende, abgemagerte Fabrikarbeiter Trevor Reznik (Christian Bale) führt ein trostloses Dasein. Die einzigen Freuden in seinem tristen Leben sind die Besuche bei der Prostituierten Stevie (Jennifer Jason Leigh) und regelmäßige Gespräche mit der Kellnerin Marie (Aitana Sánchez-Gijón). Als Trevor eines Tages von einem anderen Arbeiter abgelenkt wird, verursacht er einen Arbeitsunfall, bei dem sein Kollege Miller (Michael Ironside) einen Arm verliert. Wenig später erfährt er, dass der andere Kollege offiziell gar nicht existiert und steht kurz vor der Kündigung. Weitere merkwürdige Ereignisse folgen, die Trevor immer tiefer in einen Sumpf der Paranoia und Selbstzerstörung abgleiten lassen...


Filmkritik:
[kann leichte Spoiler enthalten]

Was laesst sich noch zu The Machinist sagen? Den Film sollte mittlerweile fast jeder kennen, der sich einigermaßen regelmaeßig (die richtigen) Filme anschaut. Regisseur Brad Anderson hat hier etwas wirklich geniales vollbracht. Er schuf einen Film mit Noir-Anleihen, vielen Suspense-Elementen und einer Story, die den Zuschauer mehr als klar auffordert mitzudenken. Der Film hat noch eine lange Nachwirkzeit und viele Dinge fallen einem erst retrospektiv auf, sodass der Film mehr als nur einmal zur Neusichtung einlaedt, was immer ein sehr gutes Zeichen ist.

Trevor Reznik (Christian Bale)

Man koennte meinen der Film wuerde von seiner (genialen) Aufloesung leben, was eine Neusichtung quasi bedeutngslos machen wuerde. Dem kann ich absolut nicht zustimmen, denn wenn man sich den Film nochmals ansieht, wird man feststellen, wie viele Hinweise waehrend des Films gestreut werden, die auf den Konflikt des Protagonisten Trevor Reznik, hervorragend gespielt von Christian Bale, oder auch andeutungsweise auf das Finale hinweisen. Selbst bei einer Dritt-Sichtung fielen mir noch reichlich neue Verweise / Anhaltspunkte ins Auge, die den Plot auf gewisse Weise antreiben koennen. Das wiederum macht einen deutlichen Reiz aus, all diese Ver- bzw Hinweise entdecken zu wollen.

Ohne das geniale Drehbuch von Scott Kosar und die einwandfreie Regie von Anderson wuerde das alles aber gar nicht funktionieren. Ab der ersten Minute wird bereits die Spannungsschraube angezogen und waehrend des Filmverlaufs geschieht dies immer kontinuierlicher und staerker. Gepaart mit den staendig neuen aufkommenden Raetseln und Mysterien, neue sich auftuende Abgruende wird der Zuschauer von dem Film aufgesogen bzw. sprichwoertlich in einen Abgrund aus Paranoia,
Tristesse und staendiger Bedrohung gestoßen, was die Atmosphaere permanent auf dem Maximum-Level wandeln laesst - ganz groß!
Der Thriller beinhaltet zusaetzlich eindeutige Elemente des Film Noir und kann daher als Neo Noir bezeichnet werden. Zurueckzufuehren ist dies auf die kalte Farbgebung, die sich durch den Film zieht und ihn beinahe wie einen Schwarz-Weiß-Film erscheinen laesst, waere da nicht das feuerrote Gefaehrt Ivans, [SPOILER VORAUS] was den direkten Blick in Trevors Vergangenheit darstellt - eine vermeintlich bessere Zeit. [SPOILER ENDE]

 
Der Soundtrack von Roque Baños weiß die negative Stimmung mehr als passend zu untermahlen. Dieser orientiert sich zudem an einem ganz besonderen Werk - an Bernard Herrmann's Soundtrack zu Hitchcock's "Vertigo". Dazu gesellen sich einige klangvolle Melodien, die man mit alten Horrorfilmen der 50er-Jahre verbinden kann. Besonders das stets wiederkehrende Thema Trevors zieht einen in seinen Bann. Wahrlich ein Genuss sondergleichen!

Christian Bale. Der gute Christian Bale. Ist er fuer die einen der Kerl mit nur einem Gesichtsausdruck, so ist er gleichzeitig fuer die anderen einer der Hoffnungstraeger des guten Schauspiels, weiß er doch sowohl durch sein Mimik-Spiel zu ueberzeugen, als auch durch seine physischen Leistungen. Ich zaehle mich selbst zu den Bevorfuerwortern Bales. 

Durch Bale kam es vermutlich erst dazu, dass der Begriff "Method-Acting" in aller Munde war. Fuer "The Machinist" hungerte er sich auf ca. 52kg runter - bei einer Koerpergroeße von 1,83m. Das sieht genauso schlimm aus wie es klingt. Die Haut scheint nur noch ein duennes Netz zu sein, sodass man die einzelnen Knochen bereits zaehlen koennte. Hier schießen einem automatisch Bilder von Konzentrationslagern durch den Kopf.

Trevor (Christian Bale) und Stevie (Jennifer Jason Leigh)

Dass allein macht natuerlich nicht die gesamte Leistung von Bale aus, so weiß er doch immer die Verzweiflung, Angst und Panik glaubhaft darzustellen. Er macht zudem den gesamten Film ueber einen extrem unheimlichen Eindruck, dem man sich so nicht entziehen kann. 
Sein Charakter macht in dem Film eine Entwicklung durch, bei dem seine Welt durch eine Reihe von Ereignissen erschuettert wird und er sich mit seiner bisher mehr oder minder erfolgreich verdraengten Vergangenheit stellen muss und dabei verschiedene Stadien durchlaeuft. Vor allem das Thema der Bewaeltigung findet hier großen Spielraum. Hinzu kommt die Vereinsamung Trevors, was dem Charakter einen zusaetzlichen Reiz gibt.
Uebrigens: Nicht, dass seine Leistung in "The Fighter" nur ordentlich oder dergleichen waere, hier spielte er auch authentisch und gut, aber fuer die Rolle des Trevor Rezniks haette er meines Erachtens nach eher einen Oscar verdient.


Die Komponente dem Zuschauer stets falsche Faehrten zu legen und in neue Veriwrrspiele zu locken mag nur beim ersten Mal zu funktionieren, dafuer aber auch außerordentlich gut, sodass viele bereits von einem "Mindfuck" sprechen, wozu auch Filme wie "Memento", "Fight Club" oder einige Werke von David Lynch zaehlen duerften.
Wie bereits erwaehnt, erschließt sich nach der Sichtung jedoch die neue Komponente bzgl. ders Entdeckens von kleinen Hinweisen. Mal sind sie eindeutig dargestellt, mal sind es einfach bestimmte Bilder bzw. Einstellungen, die sich auf bestimmte Weisen interpretieren lassen.


Fazit:
Was bleibt ist ein abstruses, duersteres Verwirrspiel, dass es gilt zu loesen - ein Mix aus Psychodrama, Thriller und einer leichten Prise Horror. Brad Anderson hat mit "The Machinist" einen zutiefst atmosphaerischen Noir-Thriller abgeliefert, der mit einer grandiosen Story ueberzeugen kann und dabei viel Wert auf den Hauptdarsteller legt. Ein Film, der seine Zuschauer gut 95 Minuten vollkommen in seinen Bann zieht und auch nach dem Abspann noch nicht loslaesst. Das Potenzial zu einem Lieblingsfilm ist auf jedenfall gegeben. 9.5/10


Zur Blu-Ray Veröffentlichung von 3L-HomeVideo: 
Amaray mit Wendecover

Bild: Sehr gutes Gesamtniveau was die Bildqualitaet betrifft. Durchweg eine gute Schaerfe, manchmal ein bisschen FIlmkorn, was aber nicht großartig stoert. Schwarzwert ist einwandfrei. Format: 2,35:1 (1080p). 8/10

Ton: Deutsch und Englisch in DTS-HD MA 5.1 - Im Prinzip einwandfrei. Genrebedingt ist hier kein Optimum zu erwarten. Der Soundtrack kommt sehr gut rueber und akkustisch ist auch alles 1A zu verstehen. 8/10

Extras: Nur eine Trailershow, was besonders schade ist, da es bereits auf einer aelteren DVD-VÖ reichlich Specials gab. 1/10


An dieser Stelle herzlichen Dank an 3L-HomeVideo fuer das Rezensionsexemplar!

"The Machinist" jetzt auf DVD oder Blu-Ray bei amazon.de kaufen! 



Bilder:
Eigene Screenshots